Wer B&O-Play-Kopfhörer trägt, achtet in der Regel auf zwei Dinge: wie steht er mir und wie klingt er. Das kennzeichnet in ungefähr auch das Erfolgsrezept der dänischen Audio-Video-Lifestyle-Company. Dass die Beoplays in höheren Preisgefilden angesiedelt sind, scheint viele nicht zu stören, gleichwohl der Hersteller beim H8i den Rotstift angesetzt hat.

Dem H8i fehlt – gegenüber der Vorgängergeneration – der vom Chiphersteller Qualcomm zugelieferte aptX-Codec, dessen Lizenzierung sich B&O Play gespart hat, mit dem Hinweis, dass man sowieso keinen Unterschied höre zum hier verwendeten AAC-Codec. Man wolle die beiden neuen i-Modelle H8i und H9i somit nicht unnötig verteuern (zur News-Meldung).

Ein zumindest selbstbewusstes Statement bei einem Preis von unverbindlichen 399 Euros. Doch: was etwas kostet und wie viel es einem Wert ist, entscheidet sich eben nicht immer an der Feature-Liste, sondern am Gesamteindruck – geben wir also ein paar Hilfestellungen.

Aussehen und ansehen

Der uns zu Testzwecken zur Verfügung gestellte H8i Natural bietet eine in dieser Kategorie gewohnte Melange aus edler Kartonage und Produktdesign, was von Beginn an Freude bereiten soll: Zubehör und Accessoires sind unter dem auf einem Formstück ruhenden Hörer in drei Origami-artig gefalteten Papier-Cases verteilt. Das 120 cm lange Klinkenkabel ist leider arg kurz geraten. Ich würde es einmal als „Notkabel“ bezeichnen, das bei einer Flugreise in Verbund mit dem mitgelieferten Flugzeugadapter für die Armlehne-zu-Kopf-Strecke reicht, ansonsten gar nicht benötigt wird, da der wireless H8i mit ANC als Reisekopfhörer geradezu prädestiniert ist.

Die Materialien erfüllen die Anforderungen, welche mit „leichtgewichtig“ und „edel“ am besten beschrieben sind. Der Kopfhörerbügel nebst Schiebemechanik ist aus Aluminium, angenehm anzufühlende Polymer-Kopfhörermuscheln sowie aus zartem Leder gefertigte Ohrpolster erwecken Vertrauen und zeugen von Eleganz. Die Bügelunterseite ist mit gepolstertem Stoff versehen, auf der Oberseite ist eine Lederapplikation vernäht.

Anprobe und Bedienung

Die Ohr-aufliegenden Beoplay H8i lassen sich durch Herunterziehen der Ohrmuscheln leicht anpassen und sind dank der Leichtigkeit von 215 Gramm komfortabel zu tragen. Die passive Außendämpfung ist bei ersten „Trockenübungen“ schon recht gut. Die Bedienung der H8i geschieht über an der Unterseite liegenden Tastern. Auf der linken Seite schaltet man den Hörer ein und betätigt durch verschieben desselben Elements nach hinten das Noise-Cancelling, durch Schubs nach vorne wird der sogenannte Transparenz-Modus aktiviert. Hier schaltet der H8i unter Zuhilfenahme der integrierten Mikrofone auf Durchzug, man hört also die Umgebungsgeräusche, ohne den Hörer abzusetzen. Höfliche Menschen werden das dann nicht machen, wenn ein Gespräch von Mensch zu Mensch ansteht. In diesem Falle setzt man den Hörer ab, der Beoplay unterbricht sein Spiel und setzt es an derselben Stelle wieder ein, wenn der Hörer wieder aufgesetzt wird. Dieses überaus praktische Feature klappte allerdings nicht immer: bei der Spotify-App fürs iPhone ging der Pausendienst reibungslos, die Podcast-App von Apple wiederum plärrte nach Absetzen munter weiter – eventuell eine Einstellungssache, für die B&O Play nichts kann. Bei Telefonaten wird über Mittel-Taster auf der rechten Seite ein Gespräch angenommen und wieder „aufgelegt“. Die Gesprächsqualität ist in beiden Richtungen ohne Mängel. So weit so gut bis sehr gut.

Der Sensor reagierte jedoch arg empfindlich. So wurde schon bei leichtem Bücken die Musik unterbrochen, auch bei leichtem Verrutschen erteilte der Sensor allzu schnell einen Pausen-Befehl.

Leider ist die Empfindlichkeit der Sensoren nicht einstell-, durch fünf Sekunden währenden Druck auf die Steuerungstaste aber zumindest ausschaltbar. Dies ist leider nicht über die Beoplay-App zu verwalten, welche ansonsten dringend empfohlen wird, da sich hier auch Sound-Einstellungen vornehmen, oder auch andere Beoplay-Geräte individualisieren lassen. Zu finden ist in der App auch eine Bedienungsanleitung als PDF, leider nur in einer Weltgesamtausgabe; hier hätte ich mir gewünscht, eine deutsche Anleitung extra zu bekommen, um nicht absatzweise durch ein 50-seitiges Dokument mit verschiedenen Sprachen wischen zu müssen.

Neben der unsensiblen Sensorik, welche ich letztlich ausschalten musste, da sie mir zu oft das Hörvergnügen störte, hat der Beoplay H8i einen weiteren Nachteil, der vielleicht nur im Winter auffällt. Bei hochgestelltem Mantelkragen gab es Fehlbedienungen, da der Kragen mal die Pausentaste „bediente“, mal das Transparenz-Feature bemühte oder sogar den H8i gegen meinen ausdrücklichen Willen ausschaltete. Ein jahreszeitlich bedingter und individueller Modegewohnheit geschuldeter Umstand, der bei Wollschals und luftiger Sommerkleidung nicht ins Gewicht fällt – aber erwähnt werden sollte.

Über den mittleren Taster vermählt man durch längeren Druck einen Bluetooth-Gegenspieler, ein kurzes Tippen lässt den Track pausieren, ein doppeltes schaltet ein Stück weiter, ein Dreifach-Klick skippt einen Track in der Playlist zurück. Die Lautstärke wird durch Extra-Taster geregelt.

Der Beoplay H8i erkennt einmal gemachte Bluetooth-Partner zuverlässig wieder, ist hier also flott bei der Sache, wenn man den Hörgenuss startet. Bevor es zum Klang geht noch ein lobendes Wort in Sachen Laufzeit: Der Akku hält lange. Sehr lange. Der Hersteller gibt 30 Stunden an, und während des gut eine Woche währenden Testzeitraums mit relativ häufiger Nutzung in der U-Bahn, beim Sport oder auch Büro vermeldete die Beoplay-App keinen nennenswerten Stromverbrauch, so dass der Hörer in der Testphase nicht nachgeladen werden musste.

Noise Cancelling

Der Beoplay H8i verfügt über ein gegenüber den Vorgängern verbessertes Noise Cancelling, wobei auch schon die passive Dämpfung, also der möglichst dichte Abschluss der Ohrpolster beim H8i sehr hoch ist, so dass in den meisten Fällen eine elektronische Geräuschunterdrückung, welche auch einen höheren Stromverbrauch nach sich zieht, gar nicht benötigt wird.

Sobald man das ANC einschaltet, wird das Grundrauschen des Alltags weitestgehend eliminiert, und selbst Verkehrslärm oder lautere Stimmen verschwinden fast vollends, wenn Musik läuft, mehr oder weniger komplett. Lediglich Zugfahrten bzw. Tram- und U-Bahn-Geräusche dringen auch bei aktiviertem ANC durch, was natürlich auch der On-Ear-Bauweise geschuldet ist. Positiv herauszuheben ist, dass man so gut wie keinen Klangunterschied mehr vernimmt, wenn ANC zugeschaltet wird. Sehr gut …

Die Transparenz-Funktion ist im Übrigen überaus praktisch, wenn man kurz akustischen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen will, wie Durchsagen am Bahnsteig oder in der Abflughalle, ohne den Hörer abnehmen zu müssen.

Klang

Wie die anderen Beoplay-Kopfhörer auch, klingt der H8i sehr ausgewogen mit klarer Tendenz zur Erfüllung von High-Fidelity-Ansprüchen. Klassik, Jazz, akustische Instrumente, Chöre, Klavieraufnahmen sowie atmosphärische Klangereignisse eines Hörspiels werden vom H8i kompromisslos sauber umgesetzt. Trotz der geschlossenen Bauweise und auch unter Einsatz des aktiven Noise Cancellings verhilft der H8i zu genussvollen Hörereignissen. Aber auch aktuelle Charts mit energiereichen Bässen werden sauber abgebildet. Die akkurate Abstimmung der Beoplay-Hörer gefällt mir persönlich sehr gut, wobei natürlich besonders freut, dass eine solche Qualität mobil und kabellos bereitgestellt wird. Das eingangs erwähnte Fehlen des aptX-Codecs war in der knapp einwöchigen Testphase ehrlich gesagt kein Thema. Den H8i habe ich sowohl in Ruhephasen aber auch im mobilen Alltag ausgiebig getestet, ohne dass mir etwas gefehlt hätte, was in irgendeiner Weise mit dem Codec im Zusammenhang stehen könnte. Die Bestimmung eines gut aussehenden, mobilen, HiFi-mäßigen Bluetooth-Kopfhörers mit effektiv arbeitendem Noise Cancelling erfüllt B&O Play mit dem Beoplay H8i zweifellos.

Fazit: B&O Play Beoplay H8i
von Ralf Willke

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der B&O Play Beoplay H8i überzeugt mit der Hersteller-typisch akkuraten, überaus angenehmen Klangtextur, welche stilübergreifend agiert und daher als universeller Kopfhörer für höhere Ansprüche zu empfehlen ist. Die Anordnung der Bedienelemente an der Unterseite kann zu Fehlbedienungen über die Kleidung führen, ebenso erschien mir die Steuerungssensorik beim Auf- und Absetzen der Hörer nicht ausgereift genug. Eine Funktion, die ich lieber abgeschaltet habe, als sinnvoll einzusetzen, was zu Abzügen bei Handling und Funktion führt. Der Preis von knapp 400 EUR ist für die Premium-Zielgruppe angemessen, zumal B&O Play hier ein Leichtgewicht aufgelegt hat, das sehr angenehm zu tragen ist, über eine hervorragende Akkuleistung verfügt und ein akkurat arbeitendes Noise Cancelling aufweist.

Hier erhältlich:

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Technische Daten

Bauform
On-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Gewicht mit Kabel
225 g
Gewicht ohne Kabel
215 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • Miniklinkenkabel
  • USB-Ladekabel
  • Flugzeugadapter
  • Transporttasche

Besonderheiten

  • auch in Schwarz erhältlich
  • BT-Version: 4.2
  • BT-Codecs: AAC
  • 2 digitale MEMS-Mikrofone für Sprache
  • 4 Elektretmikrofone für ANC (2 Elektretmikrofone in jeder Ohrmuschel)
  • kompatibel mit Beoplay App
  • bis zu 30 Std. Laufzeit mit Bluetooth und ANC
  • bis zu 45 Std. nur mit Bluetooth
  • bis zu 42 Std. verkabelt mit ANC + Steuerung
  • Ladedauer ca. 3,5 Std.

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