Bowers & Wilkins PI7

Premium True Wireless In-Ears

Zuletzt aktualisiert:

Kurz & knapp

Mit den PI7 feiert Bowers & Wilkins einen überzeugenden Einstand im True-Wireless-Segment! Mit knapp 400 Euro zwar nicht gerade günstig, sind diese Kopfhörer dennoch ihr Geld wert. Sound sowie Verarbeitung sind sehr gut und die Möglichkeit Audio sowohl via USB als auch Miniklinkenkabel zu streamen ist einmalig.

Vorteile:

  • sehr guter Klang
  • Audio-Streaming via USB und Miniklinke
  • hochwertige Bluetooth Codecs

Nachteile:

  • kein Multipoint
  • App-Anbindung teilweise instabil

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Bowers & Wilkins lässt sich im Wettbewerb der Neuigkeiten gerne etwas Zeit und versucht nicht immer sofort auf den technikgetriebenen Zug aufzuspringen. Lieber spät, dann aber richtig, war mein Gedanke, als B&W mit den PI5 und PI7 ihre ersten True Wireless In-Ears ankündigten.

Nachfolger im Test: Bowers & Wilkins Pi7 S2

Version 2 der Premium True-Wireless In-Ears.

Das teurere Modell PI7, um das es in diesem Test geht, kommt dabei mit hochauflösenden und schnellen Bluetooth Audio Codecs, adaptivem Noise Cancelling sowie einem Hybrid-Treibermodell aus dynamischen sowie Balanced-Armature-Treibern daher. Dass das britische Traditionsunternehmen darüber hinaus auch noch die ein oder andere Überraschung im Köcher hat, hebt den PI7 von der Konkurrenz ab.

Case-Studie

Gewöhnlich werden In-Ears mit einer Aufbewahrungs-/Auflade-Kombination geliefert. Bowers & Wilkins verleibt dem Case aber noch eine äußerst praktische Zusatzfunktion ein: Man kann entweder Audio-Streams via USB an die Hörer übermitteln, oder aber jegliches analoge Audiosignal auf die Ohrhörer bringen. Man hat also eine Art Audio-Interface in der Hosentasche – mit einigen Vorteilen: So lassen sich z. B. Kopfhörerausgänge am Fernseher elegant zu einem Drahtlos-Kopfhörer-System wandeln. Oder ihr könnt die gute alte Stereo-Anlage mit den PI7 wiederbeleben und zum kabellosen Hören nutzen.

Zudem bietet es sich an, bei Audio- oder Video-Arbeiten am Rechner ganz einfach das Lade-Case über USB-C zu verbinden und dieses dann als Ausgabe-Gerät zu definieren. Die Latenz – also Verzögerung – war so gering, dass sowohl Videos schauen als auch Audio-Editings ohne weiteres möglich waren. Und – wenn das Reisen wieder möglich wird – ist die Freude über die analoge Anschlussmöglichkeit an ein Bordsystem im Flugzeug oder in der Bahn ebenfalls groß.

Einzig der Versuch, die PI7 via Kopfhörerausgang über das Lade-Case als drahtlosen Piano-Kopfhörer zu nutzen, funktionierte leider nicht wirklich gut. Dafür war die Verzögerung zwischen Spielen und Hören dann doch um ein paar Millisekunden zu groß – aber dafür wurden die PI7 auch nicht gebaut, weswegen es auch nicht zum Punktabzug kommt.

Rahmendaten

Die Bowers & Wilkins PI7 leisten auf dem Papier Großes: Sie beherrschen (außer LDAC) SBC, AAC, aptX Classic, aptX HD, aptX Low Latency sowie aptX Adaptive und somit also auch hochauflösendes Audio, was man beim Hörtest weiter unten nachlesen kann. Auch die Liste der Bluetooth-Profile zeigt, dass das Handling der TWS-Kopfhörer mit allen erdenklichen Geräten komfortabel ausfallen sollte.

Das Lade-Case kann – neben der Streaming-Funktion – auch drahtlos geladen werden. Über eine Schnellladefunktion (15 Minuten ergeben zwei Stunden Musikgenuss), sind auch extreme Leerstände des Akkus schnellstens geheilt, zumal das Case das maximal Vierfache der vierstündigen Kapazität der beiden Hörer nachladen kann.

Die PI7 sind pro Seite mit einem dynamischen sowie einem Balanced-Armature-Treiber ausgestattet. Fürs Noise-Cancelling, aber auch für bestmögliche Verständlichkeit bei Audio- und Video-Calls sind insgesamt sechs Mikrofone, drei pro Seite, verbaut.

Anprobe

Im Karton nistet das Lade-Case mit In-Ears sowie ein wenig Papierkram und zwei weiteren Ohrpassstücken in Gehäusefarbe.

Über touch-sensitive Außenseiten werden die wichtigsten Befehle schnell erlernt. „Pause“, „Stop“, „Titel vor“, „Titel zurück“ sind inzwischen gewohnte Bedienschritte, die trotz Miniaturbauweise gut funktionieren. Was über die Gestensteuerung nicht geht, ist die Veränderung der Lautstärke.

Koppeln

Die PI7 müssen für die erste Bekanntschaft mit einem Spielpartner im Case sein. Beim Wiederanziehen wird die Verbindung automatisch aufgebaut, wobei sich in der App auch noch ein bevorzugtes Gerät aus der Verbindungshistorie anwählen lässt.

Im Test habe ich die PI7 sowohl mit Android-, iOS- wie auch einem MacBook per Bluetooth verbunden, was in der Regel zuverlässig und zügig vonstattenging.

Die maximale Bluetooth-Reichweite erschien mir bei den Bowers & Wilkins PI7 etwas kürzer als gewohnt zu sein. Mit dem Rechner verkoppelt, gab es schon auf dem halben Weg zur Kaffeemaschine (ca. neun Meter) erste Aussetzer. Trotzdem möchte ich hier von einer stabilen und im Alltag ausreichend weitreichenden Audioverbindung sprechen.

Noise Cancelling und Transparenz

In-Ears mit Noise Cancelling sind für die Entwickler keine leichte Aufgabe, die beim PI7 aber bravourös gelöst wurde. Via App lässt sich die Geräuschunterdrückung ein- und ausschalten. Alternativ tut‘s auch die 1-sekündige Berührung des linken Ohrstöpsels. Schaltet man „Auto“ in der App dazu, passt sich das Noise Cancelling der akustischen Umgebung an, was bei stetig wechselnden Ereignissen wie Verkehrsgeräuschen schon eine gewisse Herausforderung darstellt, da sich durch die dynamische Maskierung des „Draußens“ auch der Sound leicht ändert. In der Regel aber macht der PI7 hier seine Sache sehr gut und erlaubt dem Hörer auch bei äußeren Unruhen ein relativ gechilltes Hören.

Ein weiterer Punkt ist der Transparenzmodus, was vor allem als Verkehrsteilnehmer überlebenswichtig sein kann. Auch hier kann der PI7 über einen Schieberegler in der App über „wenig durchlassen“ über „natürlich“ bis hin zu „verstärkt“ recht fein und individuell den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Ich selbst habe bei meinen Tests außerhalb gerne die Geräuschunterdrückung eingeschaltet gelassen, diese auf „Auto“ und den Transparenzmodus auf Mittelstellung (also „natürlich“) gestellt.

Die PI7 im Alltag

Bei meiner alltäglichen Morgenrunde mit Hund durch Stadt, Land und Wald, wurden zumeist Podcasts gehört, oder leichtere Kost wie meine Lieblings-Elektronik-Playlist angeworfen. Hier machte der PI7 eine souveräne Figur, wobei auch eingehende Anrufe durch Fingertipp rechts spontan angenommen werden konnten. Voice-Assistant-Befehle konnten durch einen kurzen Tipp rechts ebenfalls nach ein- bis zweimaliger Übung problemlos getätigt werden. Gegenüber Windgeräuschen zeigten sich die PI7 relativ unempfindlich; zudem war der Tragekomfort zu jeder Zeit gegeben. Die Ohrhörer sind außerdem noch vor Spritzwasser geschützt (nach IP54), so dass ihnen dieses „Draußen“ im Zweifel weniger anhaben als den Trägern selbst.

Was manchmal irritierend war: die App verabschiedete sich das ein oder andere Mal aus unerfindlichen Gründen und musste neu gekoppelt werden, was aber viele Ursachen haben kann, z.B. eine überfüllte Bluetooth-Liste im iPhone.

Die PI7 konnten intuitiv aus dem Case genommen und in die Gehörgänge gesetzt werden. Sie spielten an der zuletzt gemerkten Stelle weiter, was vor allem bei Podcasts sehr komfortabel ist.

Lobend erwähnt habe ich bereits die Streaming-Funktion via Lade-Case. So habe ich eine kleine Audioproduktion in Verbindung mit einem Bowers & Wilkins PI7 problem- und drahtlos editiert. Wer will (und hat) kann im Übrigen einen weiteren Kopfhörer aus der Bowers-&-Wilkins-Familie drahtlos mit dem Streaming-Case verbinden. Dies klappte im Test problemlos mit einem PX7 (zum Test), der sich erst dann koppeln ließ, nachdem die PI7 im Case lagen. Beide parallel betreiben – das wäre es noch gewesen.

Die PI7 sind nicht Multipoint-fähig, was ich ehrlich gesagt das ein oder andere Mal vermisst habe. Das Fast Pairing klappte aber recht zuverlässig, so dass ich hier bei der Kritik ein Auge zudrücken will.

In puncto Akkulaufzeiten kann ich nur Gutes berichten. Da bei Nichtnutzung das Lade-Case eh der beste Aufbewahrungsort ist und die Hörer automatisch nachgeladen werden, kam ich im Alltagsgebrauch nie unter 50% Ladestand bei den Hörern. Und da ich das Case fürs Audiostreaming auch gerne am Rechner hatte, war dieses auch stets mit frischem Strom versorgt.

Musikhören

True Wireless In-Ears sind vor allem praktisch und waren für mein Verständnis bisher für den reinen Musikgenuss eher die zweite Wahl – zu gerne höre ich mit Over-Ears und möglichst offener Bauweise meine Lieblingsmusik. Diese recht feste Haltung hat sich seit den PI7 etwas verschoben. Abgesehen von den rein physischen Vor- und Nachteilen von Over- und In-Ears machte mir der Rückzug aufs Sofa zum vergnügten Musikhören bei den Bowers-&-Wilkins-Neulingen Spaß.

Zunächst: das ANC bleibt hier natürlich aus, auch wenn die Klangveränderungen zwischen beiden Betriebszuständen eher marginal sind. Da die PI7 bei mir schon recht dicht im Gehörgang abschlossen, habe ich beim Musikgenuss den Transparenzmodus auf „natürlich“ gestellt. Ohne Rauschen oder sonstiger Klangbeeinflussungen konnte man trotzdem nicht das Klingeln des Paketboten verpassen.

Allgemein zeigen die PI7 eine neutrale Wiedergabe. Bässe werden erstaunlich definiert und tiefreichend wiedergegeben, Mitten und vor allem ereignisreiche Gitarrenbretter zeigen sich eher rund als aggressiv, und die Höhen habe ich als klar und offen empfunden.

Überaus beeindruckt war ich von der Basswiedergabe. „Vitamin“ von Kraftwerk bietet in seine Remaster-Version von 2009 eine weiche, in den Tiefbass reichende Synthesizer-Line, welche die PI7 in Gänze zu übertragen vermochten. Gerade bei Elektronik-Tracks macht das Schallwandlergespann aus dynamischem und Balanced-Armature-Treiber seinen Job erstaunlich gut. Manchmal ist mir die präzise und punktgenaue Wiedergabe fast zu viel des Guten: so klopft die Kickdrum bei „The Donut of the Heart“ von J Dilla fast schon zu arg am Trommelfell.

Auch das Ticken der Uhren im Intro des Pink-Floyd-Epos „Time“ auf „The Dark Side of the Moon” ist mir persönlich zu nah an meiner Hörmembran. Was den Bowers & Wilkins PI7 adelt: er fährt bei Hi-Res-Audio-Signalen seine Reserven aus und konnte unter dem aptX-HD-Codec auch bei hochwertigen Klassikaufnahmen punkten. Räumlichkeit und Detailreichtum sind für einen In-Ear schon beeindruckend. Streicher klangen sanft in leisen Passagen und konnten bei Staccati Akzente setzen, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Auch bei Aufnahmen großer Orchester konnte man die einzelnen Instrumente gut orten und genüsslich in das Klanggeschehen eintauchen.

Fazit

Die Bowers & Wilkins PI7 überzeugen. Auch wenn mit knapp 400 Euro der Preis zunächst hoch erscheint, sind die ersten True Wireless In-Ears des englischen Traditionsherstellers ihr Geld wert. Der Sound setzt die Messlatte für die Mitbewerber höher und revidiert (m)ein Vorurteil, dass TWS-Hörer für den reinen Musikgenuss nicht gut genug sind. Was ebenfalls gefällt, ist die Möglichkeit des Audio-Streamings sowohl via USB als auch Miniklinkenkabel. So bieten die PI7 ein drahtloses Hören am Fernseher, sind Zuspieler von Bordsystemen bei Flugzeug und Bahn, und selbst Medien-Kreatoren könnten sich dank der USB-Streaming-Funktion damit anfreunden, einen True-Wireless-Kopfhörer in den Arbeitsprozess einzubinden. Ein überzeugender Einstand im True-Wireless-Segment!

Fazit

Vorteile / Nachteile:

Vorteile:

  • sehr guter Klang
  • Audio-Streaming via USB und Miniklinke
  • hochwertige Bluetooth Codecs

Nachteile:

  • kein Multipoint
  • App-Anbindung teilweise instabil

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Über den Autor:

Autor Ralf Willke

Von Ralf Willke
Redakteur

Ralf Willke – Redakteur für HiFi & Studio

Seit 2014 gehört Ralf Willke zum festen Team von kopfhoerer.de und widmet sich mit Begeisterung dem guten Ton – von HiFi- und Studio-Kopfhörern bis hin zu modernen Home-Audio-Systemen. Beruflich ist er mit Studiokopfhörern bestens vertraut, privat genießt er kabellose Klangqualität mit den Apple AirPods Max oder den Technics EAH-AZ100.

Sein Soundtrack des Lebens? Keith Jarretts legendäres Köln Concert. Wenn er mal nicht testet, taucht Ralf in Serien wie Dark ein oder lauscht der Filmmusik zu Konklave von Volker Bertelmann.

Schon als Teenager feierte er auf seinem klobigen weißen Wharfdale-Kopfhörer die Stereo-Effekte von Emerson, Lake & Palmer. Heute sagt er: Guter Sound gehört zum guten Leben.

Musiker, Medien-Nerd und Familienmensch – Ralf hört genauer hin, damit andere besser hören. ☕🎧

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