„Was haben der kabellose Master & Dynamic MW60 und ein Leica-Objektiv gemeinsam?“ Was wie der Anfang eines banalen Witzes klingt, stellt sich beim genaueren Hinsehen als Marketing-Gag mit Twist heraus. Denn M&D bewerben den MW60 als Pendant zum Leica-Objektiv Noctilux-M 1:0,95/50 mm ASPH. Daher wurden Teile des Kopfhörers auch in Zusammenarbeit mit dem renommierten Kamera-Hersteller entworfen. Keine Frage: Master & Dynamic sind immer für eine Überraschung gut. Schauen wir doch mal, womit der Bluetooth-Kopfhörer MW60 im Praxis-Test überrascht und wie er überzeugen kann …

Lieferumfang

Der Master & Dynamic Kopfhörer kommt mit einer ungepolsterten Transporttasche mit Reißverschluss. Zusätzlich ist ein Leder-Case dabei, das von innen samtig ausgeschlagen ist. In dieser edlen Box befindet sich das Zubehör des MW60. Es besteht aus einem USB-C-Ladekabel für die Drahtlos-Einheit sowie einem Kabel und einem Adapter. Ein Kabelbeutel aus Stoff gehört ebenfalls dazu. Außerdem liegen ein Quickstart-Guide und eine ausführliche Bedienungsanleitung bei. Der Lieferumfang ist damit gut aufgestellt.

Design, Verarbeitung & Technik

Der Master & Dynamic MW60 ist ein ohrumschließender geschlossener Wireless-Kopfhörer, dessen Design zwar von der Ferne feingliedrig wirkt. Einmal in die Hand genommen, wird aber schnell deutlich, dass hier ein absolut robustes Arbeitstier am Start ist. Das liegt zum einen daran, dass das nicht zu groß geratene Gerät schon ohne Kabel über 350 g wiegt. Verantwortlich dafür ist vor allem seine solide Bauweise, die auf Metallstreben aus schwarz lackiertem, rostfreiem Stahl und Echtleder setzt. Dabei kommt auf den Außenseiten von Kopfband und Hörschalen widerstandsfähiges Kuhleder zum Einsatz.

Auf der Innenseite des Kopfbügels sowie bei den Ohrpolstern ist dagegen weiches Lammleder angesagt. Weiterhin zeichnen sich die Ohrpolster durch Memory-Schaumstoff aus. Die Kontaktstellen von Kabel und Adapter sind vergoldet. An das Leica-Objektiv sollen auf der Oberseite der rechten Hörschale ein kleines rotes Accessoire hinweisen. Außerdem erinnert ihre Umrandung an die Riffelung eines Objektiv-Einstellrings. Zusätzlich sind die abschließenden Plastikkappen der Hörschalen mit dem Schriftzug „0.95“ versehen.

Der im Test ganz in Schwarz gehaltene Kopfhörer ist in fünf weiteren Farbkombinationen erhältlich, die den Edelstahl des Geräts noch deutlicher betonen. Der MW60 wartet trotz vergleichsweise kleiner Hörschalen immerhin mit 45-mm-Treibern auf, in denen starke Neodym-Magnete wirken.

Der Frequenzbereich des Kopfhörers reicht von 5 Hz bis 25 kHz und ist damit in den Höhen gegenüber seinem „kleinen Bruder“, dem MW50+ (zum Test), um 5 kHz eingeschränkt. Seine geringe Impedanz von knapp 32 Ohm macht ihn zum geeigneten Kompagnon für Tablet, Smartphone & Co. Der maximale Schalldruckpegel von über 104 dB SPL ist hoch genug, um für Kopfschmerzen sorgen zu können. Die Bluetooth-4.1-Version des MW60 arbeitet mit dem aptX-Codec, der eine qualitativ hochwertige Audio-Übertragung sicherstellt. Bei ausgeschalteter Bluetooth-Funktion ist aber auch ein Kabelbetrieb möglich. Die Drahtlosverwendung soll für eine immense Dauer von 16 Stunden möglich sein, was sich in der Praxis ungefähr bestätigte.

Funktionen & Handling

Der MW60 bietet neben dem üblichen Schwenk- auch einen Dreh-Mechanismus sowie einen Klappmodus. Dadurch passt sich der Kopfhörer sehr gut an die Kopfform an und kann hervorragend im mitgelieferten Case verstaut werden. Für sicheren Sitz sorgt auch der starke Anpressdruck der Headphones. Er ist auch erforderlich, wiegt der Hörer doch bereits ohne Kabel schon immerhin 352 g. Die Ohrpolster sind wechselbar und werden einfach aber sicher per Magnet und Arretierstiften gehalten. Überraschend ist für mich der recht begrenzte Ausziehweg des Kopfbügels. Denn die ungerasterte Kopfgrößenanpassung bietet mit einem Maximalweg von gerade einmal 13 mm nicht besonders viel Spielraum. In die gleiche Kerbe schlagen auch die Aussparungen der Ohrpolster. Dieser Kopfhörer ist wahrlich nichts für große Ohren und Köpfe.

Wird der Kopfhörer nicht per Bluetooth betrieben, kann das mitgelieferte Kabel eingesteckt werden. Mit seiner Länge von 1,20 m ist es optimal für das Verstauen unter der Kleidung dimensioniert. Hier wird deutlich, dass Master & Dynamic vor allem an den Gebrauch unterwegs und nicht etwa im heimischen Wohnzimmer denken. Der MW60 bietet typische Bluetooth-Bedienelemente und verteilt diese auf die Unterseiten beider Hörschalen. So findet sich links der Ein-/Aus-/Pairing-Schalter und rechts drei Steuerknöpfe für die Lautstärkeregelung, das Vor- und Zurück-Skippen sowie eine Rufannahme-Taste.

Für den Gebrauch an Smartphones ist außerdem ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik verbaut, das automatisch Nebengeräusche im aufgegriffenen Signal verringert. Zwei in das Gehäuse eingelassene LEDs geben Auskunft über den Batterie- und den Pairing-Status. Auf der Oberseite der rechten Hörschale weist ein roter Knubbel auf den optischen Paten, das Leica-Objektiv hin.

Klangcharakter & Einsatzgebiete

Kraftvolle Bässe dominieren das Klangbild des Master & Dynamic MW60. Moderne Popmusik wie EDM oder Urban Music klingt mit diesem Kopfhörer nicht nur satt, sondern in meinen Ohren bereits leicht basslastig. Zugute halten muss man dem M&D-Kopfhörer dabei aber, dass er sowohl im Stande ist vom Subbass-Bereich bis hin zu den unteren Mitten Schub zu leisten als auch dass er in sämtlichen Bass-Frequenzen mit ordentlich Druck vorträgt. Seine Mitten bestechen durch Präsenz im Frequenzbereich der menschlichen Stimme und sorgen damit für eine exzellente Sprachverständlichkeit. Gitarrenmusik, wie Metal oder Rock, klingt mit diesem Kopfhörer zu keinem Zeitpunkt scharf oder schneidend. Die Höhen des MW60 sind dagegen seidig weich. Die Leistungsfähigkeit des Kopfhörers im Superhochton-Areal verleiht ihm einen soliden Stereoeindruck. Die Signalauflösung ist wie versprochen präzise. Das fällt vor allem beim Hören von Klassik-Tracks auf. Die Tiefenstaffelung des Master & Dynamics ist gut, wird aber durch den „warmen“ Klang dieses Kopfhörers leicht gedämpft. So recht will durch die Kombination von starkem Bass und sanften Höhen keine begeisternde klangliche Tiefe aufkommen.

Lautstärke-technisch ist der Kopfhörer gut aufgestellt und gibt ordentlich Schall auf die Trommelfelle – ganz so, wie es bei den von uns gemessenen Werten zu erwarten war. Zusätzlich liefert der MW60 äußerst „runde“ Transienten, so dass er Double-Bass-Attacken von Metal-Songs ebenso smooth herüberbringt wie Schüsse und Explosionen von Hörspiel-Produktionen. Noch etwas deutlicher als bei seinem kleinen Geschwisterchen MW50+ fällt die Differenz zwischen der Dämpfung von Außengeräuschen und der akustischen Isolation nach außen aus. Während er die Beschallung der Ohren hervorragend isoliert vornimmt, lässt der MW60 ordentlich Sound nach außen dringen. Deshalb kann man sich ab einer gewissen Lautstärke sicher sein, dass der Sitznachbar in Flugzeug oder Bahn mithören darf.

Im Kabelbetrieb klingt der MW60 ein wenig anders als im Drahtlosbetrieb. Zwar ist hier im Kern ebenfalls der beim Bluetooth-Einsatz gezeigte Klangabdruck hörbar. Doch bietet der Kopfhörer mit Kabel eine wesentlich höhenlastigere Performance. In meinen Ohren steht ihm das außerordentlich gut zu Gesicht. Fallen doch Tiefenstaffelung und Stereoeindruck bei der kabelgebundenen Wiedergabe wesentlich eindrucksvoller aus. Wer die Gitarren in seinen Lieblingssong gerne etwas „sägender“ hören möchte, wird sich mit dem Kabel-Klang des MW60 wohl eher anfreunden können als mit dessen Bluetooth-Sound.

Fazit: Master & Dynamic MW60
von Carsten Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Den MW60 vergleichen Master & Dynamic in ihrer Werbung mit einem legendären Leica-Objektiv. Ingenieurskunst, Präzision und hohe Materialgüte sollen dabei für dauerhafte Wertigkeit des Hörers sorgen. All das lässt sich für den MW60 vorbehaltlos unterschreiben. Denn der Kopfhörer ist top gefertigt, setzt auf hochwertige Materialien, kommt mit einem netten Lieferumfang daher und bietet in Sachen Handling kaum Kritikpunkte. Die sehr engen Ohrpolster und die stark eingeschränkte Größenverstellung des Kopfbügels sorgen allerdings dafür, dass der MW60 kein Gerät für große Köpfe und Ohren ist.

So wie das Objektiv feinste Details eines Motivs sichtbar machen soll, möchte der Kopfhörer eine präzise akustische Abbildung bieten. An dieser Stelle sind dann Anspruch und Wirklichkeit schon einen größeren Schritt voneinander entfernt. Zwar liefert der MW60 ein durchweg präzises Klangbild, färbt das Audiosignal aber mit starken Bässen und „samtenen“ Höhenanteilen doch auf eine Weise stark ein, die nicht jedem Audiomaterial guttut. Noch dazu klingt der Kopfhörer im Kabelbetrieb frischer und detailreicher als beim Drahtlos-Einsatz.

Und so bleibt für mich unter dem Strich vom Master & Dynamic MW60 ein überwiegend guter Eindruck, der mich ohne schlechtes Gewissen von einem durchaus hochwertigen Kopfhörer sprechen lässt, der zwischen Bluetooth und Kabel ebenso pendeln kann wie zwischen einem samtenen, bassreichen und einem brillanteren Sound.

Hier erhältlich:

Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 - 25.000 Hz
Impedanz
31,9 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
104,13 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
659 g
Gewicht mit Kabel
366 g
Gewicht ohne Kabel
352 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • Adapter auf 6,35 mm
  • Miniklinkenkabel
  • USB-C-Ladekabel
  • Leder-Case für Zubehör
  • Kopfhörer-Transporttasche
  • Kabelbeutel aus Stoff

Besonderheiten

  • erhältlich in Grau/Schwarz, Silber/Braun, Schwarz, Silber/Blau, Silber/Rot, Silber/Schwarz
  • BT-Codec: aptX
  • BT-Version: 4.1

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