Die amerikanische Kopfhörer-Firma V-Moda hat sich erklärtermaßen das Ziel gesetzt, dem Design ihrer Produkte mindestens den gleichen Stellenwert einzuräumen wie dem Klang. Und wie es sich so für einen modernen Lifestyle-Kopfhörer gehört, bietet er eine integrierte Freisprech- und Mediensteuerungsfunktion, eine ordentliche Ausstattung an Ohrpassstücken und allerlei anderes nützliches Beiwerk. Wir haben unsere Aufmerksamkeit im Test allerdings primär auf den Klang gerichtet.

„Von Apple lernen, heißt verpacken lernen“, lautet eine alte Weisheit, die man offensichtlich auch bei V-Moda kennt, denn der Zn (steht für die Zink-Nickel Legierung aus der das Gehäuse gefertigt ist) kommt wirklich hübsch verpackt daher. Zieht man nämlich den Schuber aus der spacigen Box mit einer hexaedrischen Grundfläche, sind alle Bestandteile sowohl von oben als auch von unten feinsäuberlich in den Karton integriert – sehr schick. Ist alles entsprechend „entkernt“ hat man vor sich: Den Kopfhörer selbst, ein kleines Transportetui, insgesamt acht Ohrpassstücke, sowie zwei Bügel, mit denen sich das Kabel – beispielsweise beim Sport – hinters Ohr klemmen lässt. Sechs dieser Ohrpassstücke sind aus besonders weichem Silikon gefertigt und sollen so noch wirkungsvoller Außengeräusche dämpfen (BLISS – Bass Level Isolating Soft Silicone).

Die technischen Daten des Zn lesen sich ohne besonderen Befund: Die 8-Millimeter-Treiber treten mit 16 Ohm Impedanz an und versprechen – laut Hersteller – ein sehr weites Frequenzspektrum (2 – 25 kHz) mit einem maximalen Schalldruck von 105 dB (Herstellerangaben) zu liefern. Dass der Hersteller hier wirklich noch zwei Hertz (!) aufschreibt, einen Bereich der akustisch völlig irrelevant ist, mag man als schlichte Marketing-Finesse lächelnd zur Kenntnis nehmen.

Von den Möglichkeiten der Fernbedienung am Kabel profitieren vornehmlich Besitzer eines iOS-Gerätes, denn nur hier ist die Lautstärkereglung und Titelsteuerung aktiv. Android-Besitzer können dagegen nur die Rufannahme und das Mikrofon nutzen.

Visuelle Aspekte

Für den Autor, der sich persönlich eher als Freund des minimalen Industriedesigns (Dieter Rams, Bauhaus, Braun – ihr wisst, was ich meine) bezeichnen würde, erscheint die Gestaltung des V-Moda Zn wie ein absoluter Gegenentwurf: Denn alles an diesem In-Ear ist irgendwie „gestaltet“. Das beginnt beim Stecker, der ziemlich lang und mit einem um 45° Grad abstehenden Kabel ausgestattet ist, geht weiter mit einer „nervösen“ Flechtstruktur an der Zuleitung, über eine mehreckige Kabelzusammenführung, bis hin zum Gehäuse selbst, das irgendwie abgerundet und kantig zugleich sein will. Der Zn ist also weniger was für Minimalisten und während man bei V-Modas Over-Ear-Pendants den Begriff „Steam Punk“ durchaus in einem Satz nennen darf, ohne dabei von Fans dieses Genres abgewatscht zu werden, passt der Zn irgendwie nirgends so nicht richtig. Das muss ein Kopfhörer natürlich auch nicht, vereinfacht aber eine Einordnung und schlussendlich eine Kaufentscheidung enorm.

Wenn die In-Ears denn wenigstens gut „sitzen“ würden. Tun sie aber nicht – durch die relativ lange und dünne Gehäuseform hat man immer das Gefühl, sie würden weit aus dem Ohr herausstehen und ein bisschen wackelig im Gehörgang stecken. Die Zeit für die ganzen Gestaltungsfinessen hätten der Designer auch gerne in die Konzeption eines auswechselbaren Kabels stecken dürfen, denn das haben Mitbewerber in dieser Preisklasse durchaus.

Klang

Dem optischen Geltungsbewusstsein steht ein erstaunlich zahmes Klangverhalten entgegen. Fast scheint es so, als ob der Zn akustisch versuchen würde den kleinsten gemeinsamen Nenner vieler Hörpräferenzen zu bilden: Seine Basswiedergabe hat die typische, moderne „Pock“-Präsenz, so dass Bassdrums deutlich hervortreten, das aber ohne wirklich zu beeindrucken. Höhen bleiben eher dezent und im Hintergrund, so dass nichts nervt und auch im klanglichen Mittelfeld finden sich keine Ecken und Kanten – im Guten wie im Schlechten. Im Ergebnis spielt der Zn recht farb- und kraftlos vor sich hin, ohne in der Lage zu sein, irgendeine Begeisterung – in welche Richtung auch immer – zu wecken. Das aber darf man in Anbetracht der Preisklasse durchaus erwarten.

Fazit: V-Moda Zn
von Numinos

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der V-Moda Zn gibt sich optisch sehr selbstbewusst – das mag manch einem gefallen, manchem nicht. Tatsächlich wirkt hier der Designanspruch etwas überzeichnet. Nichts auszusetzen habe ich dagegen an der Ausstattung: Hier ist mit einer guten Auswahl an Ohrpassstücken, Ohrbügel und Case alles dabei, was man in der Preisklasse erwarten kann (und darf). Klanglich überzeugt er mich aber weniger: Der V-Moda Zn klingt relativ unscheinbar und wenig agil oder dynamisch. Das mag für bestimmte Hörpräferenzen angenehm sein, wird dem exklusiven Anspruch aber nicht gerecht.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
2 - 25.000 Hz
Impedanz
16,15 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
115,27 dB
Gewicht mit Kabel
20,8 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • 1 Paar ActiveFlex Sport-Ohrbügel
  • 8 Paar Ohrstücke in unterschiedlichen Größen
  • Transportetui

Besonderheiten

  • mit zwei unterschiedlichen Kabel-Remotes erhältlich

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