Violectric DHA V226

Leistungsstarker, audiophiler Kopfhörerverstärker mit D/A-Wandlung

Mit dem DHA V226 platziert Violectric einen potenten Kopfhörerverstärker am Markt, der gleichzeitig als hochwertiger D/A-Wandler und sogar als Vorverstärker fungieren kann. Angesichts des vierstelligen Preises darf man eine aufwändige technische Basis und audiophilen Klang erwarten, was das Testgerät auch zweifelsfrei einlöst.

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Violectric mag als Name noch keine allzu große Bekanntheit erreicht haben. Es handelt sich um die audiophile Abteilung des deutschen Unternehmens Lake People, das seit Jahrzehnten hochwertige professionelle Audiotechnik in Konstanz am Bodensee fertigt. Firmengründer und Chefentwickler Fried Reim hat mit dem DHA V226 nunmehr eine hochwertige Kombination aus Kopfhörerverstärker und D/A-Wandler mit USB-C-Schnittstelle konzipiert, die mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.399 Euro deutlich unter den weiteren Kopfhörerverstärkern von Violectric rangiert und dennoch klangliche Bestleistungen liefern soll.

Anschlüsse

Die Konzeption ist geradlinig. Das kompakte und wertig verarbeitete Standgerät versteht sich als klassische HiFi-Komponente. Abseits des Lautstärkereglers und des Einschalters, der die Ausgabegeräte durch eine Einschaltverzögerung schützt, gibt es eine dreistufige Quellenwahl für zwei Paar analoge Cinch-Eingänge und USB-C sowie einen weiteren Schalter, mit dem der Ausgang (Kopfhörer, Line) definiert wird. Zur Statusanzeige dienen insgesamt acht LEDs.

An zentraler Stelle lassen sich Kopfhörer in drei Formaten anschließen: unsymmetrisch über eine 6,3-mm-Klinkenbuchse sowie symmetrisch über Pentaconn- oder XLR-4-Buchsen. Mehrere Kopfhörer lassen sich dabei gleichzeitig betreiben, aber nicht individuell pegeln.

Der Stereo-Ausgang mit Line-Pegel ist auf der Rückseite zu finden und nutzt das Cinch-Format. Mit einem zugehörigen Schalter kann man diesen zwischen einem Abgriff vor oder hinter dem Lautstärkeregler konfigurieren. Je nach Anwendung kann man also mit festem Ausgangspegel, etwa für Aufnahmen, oder mit variablen Pegel zur Ansteuerung aktiver Lautsprecher oder Endstufen arbeiten. Rückwärtig findet sich auch der Anschluss für das interne Netzteil.

Technik des Violectric DHA V226

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Technisch schöpft der Hersteller aus den Vollen: Im Innern des DHA V226 arbeiten gleich vier Endstufen (3500 mW Pmax an 100 Ohm, 23 V RMS an 600 Ohm) und sorgen für eine symmetrische Verstärkung auf hohem Niveau. Aus dieser Kombination verspricht sich der Hersteller einen minimalen Geräuschabstand, geringes Übersprechen und hohe Verzerrungsarmut. Die zugehörige Leistung erbringt ein Netzteil mit Ringkern-Transformator mit einer Siebkapazität von über 22.000 μF. Die Lautstärkeregelung erfolgt über ein gerastertes Potentiometer (Alps RK27) mit großem Kopf aus Aluminium.

In seiner Funktion als D/A-Wandler empfängt der DHA V226 Signale über eine USB-C-Schnittstelle. Unterstützt werden dabei Auflösungen bis hin zu 32 Bit/384 kHz und DSD 256, die sodann an die analogen Cinch-Ausgänge und die Kopfhörerausgänge ausgegeben werden. Als Wandler selbst kommt der Cirrus Logic CS43131 zum Einsatz, der einen Dynamikbereich von etwa 130 dB und Verzerrungen von lediglich -115 dB bietet (Herstellerangaben) und damit die Messlatte wahrlich hoch anlegt.

Eine Besonderheit: Über die kräftige Leistung der Endstufen hinaus, bieten zwei rückwärtige „Mäuseklaviere“ die Möglichkeit, die Vorverstärkung in sieben Schritten zwischen -18 und +18 dB anzupassen, um auch explizit empfindlichen und besonders leisen Kopfhörern sinnvoll gerecht zu werden.

Praxis

Als HiFi-Komponente erfüllt der Violectric DHA V226 die Aufgabenstellung mit überzeugenden Ergebnissen. Mühelos treibt er unterschiedlichste Kopfhörer an und liefert dabei stets auch bei Bedarf kräftige Pegel. Das Konzept ist schnörkellos: So gibt es weder eine Balance-Steuerung noch einen Equalizer, keine Crossfeed-Schaltung, die man beispielsweise von Mitbewerber SPL mit dem Phonitor se (zum Test) kennt. Dazu verzichtet das Gerät auf ein Display, und die Möglichkeit zur Fernbedienbarkeit.

Etwas unverständlich ist für mich der grundsätzlich praktische Ausgangswahlschalter, der zwischen Line-Pegel- und Kopfhörerweg und einer mittigen ausgeschalteten Position wechselt. Deutlich sinnvoller hätte ich separate Ein- und Ausschalter gefunden, um bei Bedarf beide Ausgänge gleichzeitig nutzen zu können. Als weitere Frage stellt sich mir, warum Violectric symmetrische Kopfhöreranschlüsse, aber keine entsprechenden Ein- und Ausgänge bereitstellt.

Dazu muss man allerdings anmerken, dass der DHA V226 der kleinste Kopfhörerverstärker im Angebot von Violectric ist. Mit den Modellen DHA V590² (PRO) und dem HPA V550 (Pro) gibt es auch Produkte mit symmetrischen Eingängen und Fernbedienung, die allerdings deutlich kostspieliger ausfallen.

Für Kopfhörervergleiche ist der DHA V226 kaum geeignet und dem RME ADI-2 Pro FS (zum Test) mit seinen doppelten Kopfhörerausgängen, die sich individuell im Pegel und weiteren Parametern konfigurieren lassen, unterlegen. Es kommt also auf die Anforderung an. Die Zielgruppe des DHA V226 ist ganz offensichtlich der anspruchsvolle Musikgenießer im Wohnzimmer.

Unter macOS 12.2.1 stand der DHA V226 unmittelbar für die Tonausgabe unter Tidal bereit. Laut Hersteller sollte auch der Betrieb unter Win 10 keine gesonderten Treiber verlangen, was auf dem Testrechner allerdings nicht funktionierte. Auf Rückfrage stellte der deutsche Vertrieb allerdings einen Treiber bereit, mit dem die Hardware schließlich erkannt wurde, in meinem Fall jedoch nur an einem USB-3-Anschluss.

Klang des Violectric DHA V226

Es sollte klar sein, dass insbesondere explizit hochwertige Schallwandler von der Qualität eines solchen Kopfhörerverstärkers profitieren. Dass dabei hochauflösende Audiodateien zum Einsatz kommen sollten, dürfte selbstverständlich sein. In meinem Fall erfolgte der Klangtest mit einem Shanling M3X DAP (zum Test) und über USB-C an einem MacBook Pro.

Vorab meine persönliche Einschätzung zum Thema: Ich meine, dass der Kopfhörer die Hörtests zu wenigstens 90 Prozent beeinflusst. Im Vergleich fallen die Verstärkerstufe (bei unkritischen Kopfhörern) und die Qualität einer möglichen Dateiauflösung und sogar Komprimierung, sofern diese nicht ein Mindestmaß unterschreitet, vergleichsweise wenig ins Gewicht. Allzu leicht lässt man sich bei solchen Vergleichen zudem von Lautstärkeunterschieden und Unterbrechungen beim Wechsel in die Irre führen. Macht es also Sinn, in einen teuren Kopfhörerverstärker zu investieren?

Durchaus, denn je besser die gesamte Signalkette, desto klarer sind auch Unterschiede wahrnehmbar. Mit dem DHA V226 darf man sich auf topaktuelle DA-Wandler und erstklassige Analogtechnik verlassen. Die Ergebnisse sind in Bezug auf Detail-, Raum- und Panoramaauflösung sowie hinsichtlich der Dynamik entsprechend überragend.

Es stehen gute Pegelreserven zur Verfügung. Gleichzeitig agiert der Verstärker mühelos und schnell. Perkussive Impulse kommen ansatzlos und Bässe werden in jeder Frequenz so präzise nachgeführt, wie es die Vorlage verlangt.

Die Kombination mit einem Sennheiser HD 800 S (zum Test) fällt erwartungsgemäß schlank, analytisch und in den Höhen herrlich luftig, aber auch etwas vorlaut aus. Der Qualitätssprung zum günstigen aber guten AKG K702 (zum Test) ist nachvollziehbar. Dieser Kopfhörer läuft bei +6 dB Vorverstärkung zur Höchstform auf. Das gilt auch für den Sennheiser HD 800 S bei der Nutzung eines unsymmetrischen Kabels, während die Anhebung bei der Nutzung des Pentaconn-Kabels nicht nötig war. Rauschen war übrigens zu keinem Zeitpunkt des Tests ein Thema. Selbst voll aufgeregelt bleibt der DHA V226 flüsterleise. Erst bei +18 dB Vorverstärkung vernimmt man ein hörbares Grundrauschen, das sich allerdings nicht mehr abhängig von der Position des Lautstärkerreglers verändert.

Der U6t von 64 Audio (zum Test) gibt sich bei Neutralverstärkung zufrieden und liefert über seine jeweils sechs BA-Treiber ein herrlich ausgewogenes Klangbild. In allen Fällen ist es erstaunlich, wie zielsicher das Testgerät die klanglichen Unterschiede zwischen einzelnen Musiktiteln aber auch zwischen den reproduzierenden Kopfhörern aufdeckt.

Eine weitere Besonderheit: Der Violectric DHA V226 erlaubt es, Musik auch bei niedrigeren Pegeln auf hohem Niveau zu genießen. Oft genug habe ich mit Smartphone oder verbauten Kopfhörerausgängen den Eindruck, die Lautstärke über einen bestimmten Mindestpegel bringen zu müssen, um in den vollen Genuss von Detailfülle und Bassdruck zu kommen. Das ist hier nicht der Fall. Gleichzeitig hat der DHA V226 die Eigenschaft, aufgrund seiner Verzerrungsarmut selbst bei gnadenlos (zu) hohen Pegeln noch großartig zu klingen – ein Kennzeichen hochwertiger Technik.

Ist der Violectric DHA V226 nun besser als die Produkte von SPL (zur Testübersicht), RME (zur Testübersicht), Sennheiser (zur Testübersicht) oder Focal (zur Testübersicht)? Hierzu möchte ich keine klare Aussage treffen, denn für eine verlässliche Beurteilung müsste ich eine verzögerungsfreie Umschaltung und völlige Pegelgleichheit sicherstellen. Ich lasse mich wohl aber zu der Aussage verleiten, dass der DHA V226 zurecht in der vierstelligen Kategorie spielt. Er erfüllt seine Kernaufgabe mit audiophiler Bravour. Inwieweit dabei der Verzicht auf Ausstattungs- und Komfortmerkmale nötig oder verzichtbar sind, will und kann ich nicht beurteilen. In dieser Preisklasse sollte man sich meiner Meinung nach seinen bevorzugten Kopfhörer unter den Arm klemmen und den Weg in den gut sortierten Fachhandel suchen, der glücklicherweise noch zu finden ist und ebendiesen Service bietet.

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Ulf Kaiser
vor 4 Monaten von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4.25
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der Violectric DHA V226 ist mehr als ein leistungsstarker, audiophiler, geradlinig konzipierter Kopfhörerverstärker. Je nach Anwendung fungiert er auch als D/A-Wandler oder als Vorverstärker mit entsprechender Eingangswahl. Violectric bezeichnet das Gerät als kompakte Schaltzentrale und liegt damit durchaus richtig. Die klangliche Leistung ist über jeden Zweifel erhaben und sollte mit quasi jedem kabelgebundenem Kopfhörer die gewünschte Leistung erbringen und damit gleichermaßen dem Preis und dem angeschlossenen Kopfhörer gerecht werden.

Technische Daten

  • BauformVerstärker
  • BauweiseDesktop
  • Gewicht ohne Kabel3.000 g

Lieferumfang

  • Netzkabel

Besonderheiten

  • 2 analoge Stereo-Eingänge, unsymmetrisch über Cinch
  • 1 digitaler Eingang, USB-C, mit bis 32 Bit und bis 384 kHz für PCM Signale, DSD 64 - 256
  • 32 Bit D/A Wandler mit typisch -115 dB THD+N und 130 dB Dynamik
  • +/- 18 dB Pre-Gain zur optimalen Anpassung des DHA V226 an Quelle und Kopfhörer
  • Lautstärkeregelung mit RK 27 Poti, grosser 38 mm Vollaluminium Knopf
  • 4 leistungsfähige Verstärker, 3500 mW Pmax an 100 Ohm, 23 V RMS an 600 Ohm
  • Verzögerte Zuschaltung der Kopfhörer nach Power-On
  • Kopfhörerweg und Line-Out Weg getrennt wählbar
  • Kopfhörerausgänge: 1 x 4-pol XLR, symmetrisch / 1 x Pentaconn, symmetrisch / 1 x 6,3 mm Klinke, unsymmetrisch
  • Stereo Line Ausgang: 1 x unsymmetrisch über Cinch
  • Ringkern Transformator, > 22.000 uF Siebkapazität

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