64 Audio U6t

Audiophiler professioneller In-Ear-Kopfhörer mit sechs BA-Treibern

Erstklassige Verarbeitung, bester Tragekomfort und exzellenter Klang. Zwar muss man bei dem 64 Audio U6t tief in die Tasche greifen, erhält aber einen professionellen IEM-Kopfhörer mit universeller Genre-Empfehlung und echten Monitoring-Qualitäten.

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Auf der Bühne sind die In-Ear-Monitore von 64 Audio längst erste Wahl für Showgrößen wie Beyoncé. Selbst im Studio vertrauen ausgewiesene Experten wie Michael Brauer auf den Klang der Kopfhörer, die ihre Leistung aus multiplen verbauten Balanced-Armature-Treibern ziehen. Das Angebot des US-amerikanischen Herstellers aus Vancouver im Bundesstaat Washington steht dabei für durchweg hochwertige Lösungen. Es umfasst etwa Modelle mit bis zu 18 BA-Treibern pro Seite und hybride Treiberkombinationen bis hin zu einem Verkaufspreis von nahezu 4.000 Euro. Selbst eine ganze Modellreihe mit passgenauem Abdruck für das eigene Ohr hat 64 Audio im Programm.

Der hier getestete 64 Audio U6t aus der U-Serie nutzt dabei die Erfahrungen aus dem harten Bühnenalltag. Er verbindet diese mit einer audiophilen Abstimmung und verpackt alles in ein universelles Treibergehäuse. Das kleinste Modell dieser Serie, der hier getestete U6t, wartet mit immerhin sechs BA-Treibern pro Seite auf und setzt dabei je zwei Bass- und Mitteltontreiber, einen Nio-Mittenhochtontreiber und einen Tia-Hochtontreiber ein.

Design

Die dunkelgraue, matte In-Ear-Konstruktion ist schmuck gestaltet und zielt funktional allein auf die Musikwiedergabe ab, weshalb Extras wie eine Freisprecheinrichtung oder eine Lautstärkesteuerung nicht vorgesehen sind: Kabel rein und los geht es. Dafür aber wird der 64 Audio U6t mit drei sogenannten Apex-Modulen geliefert, die eine Feinabstimmung des Klangbilds gestatten (siehe unten). Die Konstruktion selbst ist wertig und edel. Sie besteht aus bühnentauglichen, ergonomisch geformten Ohrhörern mit Aluminiumkorpus und einem wechselbaren Anschlusskabel. Weiterhin gehören ein rundes Leder-Case sowie eine Auswahl von je drei Passstücken in unterschiedlichen Formgebungen zum Lieferumfang.

Praxis

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Das verdrillte aber biegsame Kabel der robusten, dennoch leichten Treiber wird oben über die Ohren geführt und findet sodann passgenau in der Ohrmuschel Platz. Der Sitz der 64 Audio U6t ist, das richtige Passstück vorausgesetzt, gleichermaßen sicher sowie tief im Hörkanal und erlaubt auch längere Hörsitzungen ohne Druckgefühl. Das explizit niederohmige Kabel ist über zweipolige Stecker austauschbar und endet auf einer geraden vergoldeten Miniklinke (3,5 mm). Optional sind auch Kabel mit symmetrischen 2,5-mm- oder Pentaconn-Anschlüssen erhältlich.

Die besagten Apex-Module beeinflussen vor allen die Basswiedergabe, wirken aber auch auf die anderen Frequenzbereiche ein. Es handelt sich um zylindrische passive Einsätze, die über die Rückseite des Hörers platziert werden. Dort nehmen sie Einfluss auf die Schallführung sowie die pneumatische Belüftung der Konstruktion und wirken damit auch Hörermüdungen entgegen. Je nach Modell gibt es eine (m20), zwei (m15) oder drei (MX) Belüftungskanäle. Vorinstalliert ist das ausgewogene Modul m15. Das m20 klingt etwas fülliger und wärmer, während das MX in eine eher analytische Richtung zielt, die schlanker, aber dafür präziser agiert. Genau gegenläufig ist hingegen die Außenisolation (-20, -15 und -10 dB).

Ein Hinweis: Insbesondere professionelle Musiker können alternativ zum 64 Audio U6t auch einen Blick auf das Modell 64 Audio A6t (zum Test) werfen. Hier wird der Hörer individuell an die Ohrform des Besitzers angepasst und bei Bedarf farblich gestaltet. Während die spezifische Anpassung an das Ohr nochmals eine verbesserte Passform bieten kann, ist der Nachteil sicherlich der geringere Wiederverkaufswert. Aber sitzt der U6t bereits perfekt im Ohr, dann gibt es kaum einen Grund, zum A6t zu greifen.

Der Klang des 64 Audio U6t

Ganz subjektiv und ohne Blick auf die Messwerte bin ich begeistert. Die Klangabstimmung des 64 Audio U6t orientiert sich laut Hersteller am U12t (zum Test) und liefert schlichtweg großes Kino. Dank überzeugender Außenisolierung kann man tief in das Klanggeschehen eintauchen. Der Kabelbetrieb lässt Diskussionen über Codecs einer Funkstrecke ins Leere laufen. Hier kommt an, was der Player liefert! Die Ausführung mit niedriger Impedanz (10 Ohm) soll zudem sicherstellen, dass der Klang mit unterschiedlichsten Klangquellen identisch bleibt. Für den Hörtest kamen ein Apple iPhone 8, ein RME ADI-2 Pro FS R Kopfhörerverstärker (zum Test) sowie das Standardmodul m15 zum Einsatz.

Die generelle Stoßrichtung ist herrlich ausgewogen mit dezenter Betonung im Bass. Dabei agiert der 64 Audio U6t druckvoll, pegelstark, aber auch pegelfest. Die Anforderungen für den Bühnenbetrieb als IEM erfüllt er damit mit Bravour. Er ist nicht unbedingt ein zurückhaltender rein analytischer Feingeist, sondern liefert eine gewisse Wärme und jede Menge Hörspaß. Eine vorbildliche Auflösung ist angesichts der unverbindlichen Preisempfehlung von 1.399 Euro ebenso eine Selbstverständlichkeit.

Mischungen werden genreübergreifend souverän reproduziert – von voll ausgeleuchteten Passagen bis hin zu intimen Momenten und Elementen, die schon bei der Aufnahme nicht perfekt waren. Da darf man von echten Monitorqualitäten sprechen, zumal auch die Dynamik nicht nur nachvollziehbar, sondern auch mehrdimensional verschachtelt bei der Reproduktion erfasst wird.

„I Can See Clearly Now“ des Holy Cole Trios führt den Beweis für diese sichere Dynamik und den großen Detailreichtum anhand des Kontrabasses, der hier gemeinsam mit dem Flügel und Holy Cole selbst ausgewogenen musiziert.

Der Bassbereich ist vollständig, stimmig und lässt keine Schwächen erkennen, die mancher BA-Konstruktion nachgesagt werden. So schiebt es etwa bei Goldfrapps „Systemagic“ in bester Manier, ohne dass es in den Mitten und Höhen Abzüge gibt. Hinsichtlich Tonalität und Akkuratesse erfüllt der 64 Audio U6t selbst anspruchsvolle Anforderungen und punktet bei Hans Zimmers „Ripples in the Sand“ mit körperhaftem Tiefbass, aber ohne störendes Wummern. Und in Rihannas „Pon de Replay“ hört man taktgenau, wenn der Tiefbass einsetzt. Erst bei wirklich hohen Pegeln gelangt das System in Kombination mit Tiefbass an seine Grenzen.

Auch in den Mitten überzeugt mich der Testkandidat. Die Auflösung und Sprachverständlichkeit sind überragend, ohne es dabei an einer gewissen „Wärme“ fehlen zu lassen. AC/DC liefern mit „Fire Your Guns“ gleichermaßen ab wie brutale Metal-Produktionen (Meshuggah „Bleed“), das einen regelrecht an die Wand drückt, wenn man den Pegel hochschraubt. Umgekehrt werden auch Nähe, Direktheit und generell sanftere Stimmungen überzeugend vermittelt. Hervorzuheben ist das spezifische Timbre von Stimmen, Instrumenten und der Mischung im Allgemeinen mitsamt deren dynamischem Ausdruck.

Der 64 Audio U6t bietet eine schnelle Ansprache und eine Luftigkeit, die man bei günstigeren Produkten schlicht kaum je findet. Der Detailreichtum ist fantastisch und verleiht dem Klangbild eine umhüllende Räumlichkeit, Breite und Schnelligkeit – alles in der richtigen ermüdungsfreien Balance. Gleichzeitig ist der Höhenbereich entsprechend der Originalvorlage klar nachvollziehbar. So fehlt es etwa Slayers Mittenbrett „Repentless“ etwas an Glanz, während Whitney Houstons „Until You Come Back“ den Rimshots die nötige Luft verleiht. Auch die Grenze zur ungewollten Härte einer Produktion zeigt der 64 Audio U6t sicher – ein weiteres Kriterium guter Monitore. Schließlich wäre zu erwähnen, dass es den BA-Treibern auch in diesem Bereich nicht an „Körper“ fehlt.

Das Panorama ist messerscharf abgegrenzt und zudem recht breit aufgefächert. Auch das trägt zur Durchsichtigkeit des Klangbilds bei. Raumeffekte und Dopplungen sind sehr präzise und auch der Raum wird prägnant abgebildet. Eine echte Stärke und im Falle von Malias Gesang-Performance in „Celestial Echo“ regelrecht in Boris Blanks elektronischen Sample-Meisterwerken badend. Gleichzeitig schichten sich die Hihats und Shaker bestens abgrenzbar übereinander, statt miteinander zu verkleben. Und schließlich formt sich über die Hallräume, die sich insbesondere bei perkussiven Instrumenten und Stimmen sicher zeigen, eine schöne Dreidimensionalität.

Ganz an die Modelle 64 Audio U12t und 64 Audio U18t (zum Test) mit ihren multiplen Tia-Treibern und eigenen Kammern reicht der U6t dann jedoch nicht heran, fällt aber eben auch signifikant günstiger aus. Dass er als geschlossenes System in der Detailauflösung und der Räumlichkeit nicht an offene Referenzen wie dem Sennheiser HD 800 S (zum Test) oder gar elektrostatische Kopfhörer heranreicht, ist kein Makel, sondern war aufgrund der Konstruktionsweise zu erwarten.

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Ulf Kaiser
vor 6 Tagen von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der 64 Audio U6t klingt schlicht exzellent und bietet mir keinen Grund, ihm die klangliche Höchstnote von fünf Sternen bezogen auf die Preisklasse nicht zu vergeben. Zwar ist der U6t im Bassbereich nicht gänzlich neutral, die Ergebnisse aber sind famos und bereiteten mir ein selten großes Hörvergnügen. Hinzu kommen eine erstklassige Verarbeitung und bester Tragekomfort.

Zugegeben: Man muss hier tief in die Tasche greifen, erhält aber einen zweifelsfrei professionellen IEM-Kopfhörer mit universeller Genre-Empfehlung und Monitoring-Qualitäten. Der 64 Audio U6t erhält damit meine Empfehlung für die Bühne, als portable Referenzabhöre und als audiophiler Kopfhörer für den Musikgenuss. Dazu kann man sich über die Apex-Module noch ein wenig zwischen der fülligeren und einer analytischeren Variante entscheiden. Noch mehr Leistung findet man in dieser Geräteklasse nur, wenn man mehr Geld investiert. Eine klare Empfehlung. Einzig wer auf eine Extraportion Bass oder explizit analytischen Klangcharakter steht, sollte möglicherweise an anderer Stelle schauen.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzip6x Balanced-Armature
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)10 - 20.000 Hz
  • Impedanz10 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)108 dB

Lieferumfang

  • TrueFidelity Schaumstoff-Ohrpassstücke (S, M, L)
  • Silikon-Ohrpassstücke (S, M, L)
  • SpinFit-Ohrpassstücke (S, M, L)
  • Schwarzes Premium-Kabel
  • m20 apex Modul
  • m15 apex Modul
  • mx apex Modul
  • Premium Ledercase
  • Aufkleber

Besonderheiten

  • Crossover: Integrierte 4-Wege-Passivweiche
  • Isolation: -20dB, -15dB un -10dB durch mitgelieferte apex Module

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