Mu6 Scenes Lifelike 2

In-Ear-Kopfhörer mit integriertem Stereomikrofon und USB-C-Schnittstelle

Ein spannendes Produkt zu einem attraktiven Preis ist das Modell Scenes Lifelike 2 von Mu6. Es handelt es sich um einen kabelgebundenen In-Ear-Kopfhörer mit der ergänzenden Möglichkeit, über in den Ohrsteckern integrierte Mikrofone, Stereoaufnahmen zu erstellen. So erklärt sich auch der Untertitel „Binaural VR/Dummy Head 3D-Recording Headsets“.

Praxis

Aufgrund der geradlinigen Konzeption des Scenes Lifelike 2 ist der Praxisbetrieb herrlich einfach. Die Kopfhörer selbst sitzen aufgrund von mit 45 Grad angewinkelten Ohrstöpseln und dank dreier mitgelieferter Silikon-Passstücke bequem, sicher und mit guter Abdichtung im Ohr. Der Tragekomfort ist dabei auch bei längeren Hörsitzungen gut. In das Kabel integriert ist eine etwas zu klobige Fernsteuerung mit drei Tasten, die mutmaßlich aber auch die nötige Elektronik für die Aufnahmemöglichkeit birgt, zumal sie sich im Betrieb auch erwärmt. Steuern lassen sich von hier aus die Lautstärke und die Start/Stoppfunktion für die Musikwiedergabe. Hingegen fehlen die üblichen Zusatzfunktionen mit Mehrfachklicks und längeren Tastendrücken. Und auch auf Telefonfunktionen muss man verzichten.

Im Test betrieb ich das Gerät mit iOS-Geräten mit USB-C, teils mit mitgeliefertem Lightning-Adapter. Grundsätzlich lässt sich der Scenes Lifelike 2 aber auch mit Android und Computern nutzen, sofern diese über einen USB-C-Anschluss verfügen – ein Blick in die Kompatibilitätsliste des Herstellers ist ergänzend sinnvoll. Die Dokumentation selbst ist dürftig.

Die verbauten dynamischen Mikrofone stehen unmittelbar für Stereoaufnahmen zur Verfügung und bedürfen keiner dedizierten App. Vielmehr wird das Gerät im jeweiligen Betriebssystem als Eingang angemeldet und ist entsprechend universell nutzbar.

Klang

Die dynamischen 12,5-mm-Kompositmembranen mit kräftigen Magneten sorgen für ein durchaus ansprechendes Klangergebnis. Der Scenes Lifelike 2 liefert als Kopfhörer ein ausgewogenes, druckvolles und pegelstarkes Ergebnis, das sich in der Preisklasse um 100 Euro absolut sehen lassen kann. Insbesondere Pop und Rock kommen überzeugend daher und bereiten Hörspaß. Das gilt bis hin zu härteren Genres mit aggressiven Gitarren. Hier liefert das Testgerät in den Mitten die nötige Fülle und verzichtet auf unangenehme Härten in den Höhen. Aber auch die Dynamik und der Klangkorpus einer orchestralen Aufnahme lassen sich durchaus genießen.

Im Bassbereich zeigt sich der Kopfhörer ohne störende Überbetonung sowie mit guter Definition und identifizierbarer Tonalität. Gleichzeitig gibt es Abstriche im echten Tiefbass. Dafür wummert hier nichts. Im natürlich abgestimmten Mittenbereich vermitteln Stimmen Intimität und sind gut verständlich, während akustische Instrumente wie ein Flügel eine offene und zugleich realistische, hölzerne Note mitbringen. Die Detailauflösung ist über den gesamten Frequenzbereich gut, was sich auch positiv beim Aufbau des Stereopanoramas äußert. Panning-Effekte sind dabei gut nachvollziehbar, aber nicht extrem. Hallräume sind erkennbar, allerdings tendiert das Headset wie fast alle Mitbewerber eher zur Breite als zur Abbildung echter Tiefe. Schließlich liefert das Testgerät nach oben heraus ebenfalls gute Ergebnisse, gemessen an der Preisklasse. Der letzte audiophile Glanz fehlt der Konstruktion, was jedoch nicht anders zu erwarten war.

Aufnahme

Die Besonderheit ist natürlich die mögliche Aufnahmefunktion, die über zwei 4-mm-Mikrofone mit bis zu 45 dB Vorverstärkung erfolgt. So sollen sich ganz einfach, dank der Anordnung der Mikrofone in den Ohren, dreidimensional klingende Aufnahmen erstellen lassen – wie ein günstiger Kunstkopf.

Tatsächlich ist das Prozedere völlig geradlinig und wurde in meinem Fall über ein iPhone 8 mit einem Adapter auf Lightning getestet. Der Scenes Lifelike 2 wurde dabei direkt durch die App „MetaRecorder“ von Apogee als Stereomikrofon erkannt. Natürlich sollte man nicht die Resultate eines Neumann-Kunstkopfes erwarten, gleichwohl sind die Ergebnisse schwer beeindruckend: Man erhält ein absolut dreidimensionales Aufnahmeergebnis bei lediglich geringem Grundrauschen. Es ist eine regelrechte Freude, sich bei laufender Aufnahme durch die Umwelt zu bewegen und die vorhanden Geräusche bei der späteren Wiedergabe tatsächlich in korrekter und mitunter irritierend realistischer Ortung reproduziert zu finden – links, rechts, oben, unten, vorne, hinten. Angesichts der Preisklasse ist das schlicht spektakulär. Optional bietet Mu6 sogar ein kleines Stativ mit Windschutz an. Und übrigens: Die Aufnahme funktioniert in gleicher Weise auch bei der Nutzung der Videofunktion im Smartphone.

Ulf Kaiser
vor 8 Monaten von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4.25
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Klanglich ordnet sich das Modell Mu6 Scenes Lifelike 2 als durchaus gut klingender In-Ear-Kopfhörer ein, der innerhalb seiner Preisklasse bestens bestehen kann. Der Grundklang ist satt und offen, der Tragekomfort überzeugend. Das wesentliche Kaufargument für den Scenes Lifelike 2 ist die Nutzbarkeit als Stereomikrofon mit Kunstkopfplatzierung der Mikrofone direkt im Ohr. Das funktioniert in der Praxis mit überzeugend schnellen und wirklich großartig klingenden Ergebnissen. Natürlich sollte man dabei keine unbestechliche Studioqualität erwarten, dennoch sind die Ergebnisse schlicht großartig und für den Preis eine kleine Sensation. Wer Spaß an einem solchen Kopfhörer mit Mehrwert hat, der sollte hier direkt zuschlagen. Mu6 tritt hier in die Fußstapfen des Sennheiser Ambeo Smart Headset (zum Test), der ursprünglich für 299 Euro angeboten wurde. Mit etwas Glück ist dieser einzige Mitbewerber aktuell zum Schnäppchenpreis zu haben.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Impedanz@1kHz: 32 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)@1kHz: 102 dB
  • Gewicht mit Kabel35 g
  • Kabellänge85 cm

Lieferumfang

  • 3 Paar Silikon-Passstücke (S, M, L)
  • Tragebeutel

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