Mit dem Quad ERA-1 stellt der britische Edel-Hersteller erstmals einen eigenen Kopfhörer vor. Die Firma Quad ist HiFi-Fans aufgrund ihrer hochwertigen handgemachten Verstärker und Lautsprecher ein Begriff. Die Historie der Firma geht zurück bis in die 1930er Jahre. Zu ihren zeitlosen Klassikern zählen unter anderem die Lautsprecher ihrer ESL-Reihe wie auch der in den 1970er Jahren entwickelte HiFi-Amp Quad 405. Hat der ERA-1 ebenfalls das Zeug zum Klassiker?

Hochwertiger Lieferumfang

Der Lieferumfang des Quad ERA-1 kann sich vor allem aufgrund seiner Qualität sehen lassen. Neben dem Kopfhörer selbst liegt ein mit Stoff ummanteltes Kabel bei. Seine Kontakte sind zum Korrosionsschutz vergoldet. Die kleinen Gehäuse der Stecker sind stabil und doch leicht, da aus Aluminium gefertigt. Kurze aber wirksame Knickschutze runden das positive Bild an dieser Stelle ab. Ein Paar Wechselohrpolster aus Echtleder sind ebenfalls mit an Bord. Ein echtes Highlight ist das Transport-Case mit Doppelreißverschluss und Tragegriff. Es enthält im Inneren vorgeformte Schalen, die Kopfhörer und Kabel sicher aufnehmen. Außerdem liegt ein 3,5-mm-Steckadapter bei, der vergoldet ist, um Korrosion zu vermeiden.

Planar-magnetischer Antrieb

Quad wären nicht Quad, würden sie bei ihrem ersten Kopfhörermodell nicht gleich in die Vollen gehen und eine der bestmöglichen Treibertechniken für unverfälschten Soundgenuss verwenden. Entsprechend werden die ultra-leichte Membrane des ERA-1 planar-magnetisch in Schwingung versetzt. Dadurch sollen zum einen Transienten knackiger wiedergegeben werden. Zum anderen steht diese Technik für einen besonders ebenen Frequenzgang. Als Resultat soll der ERA-1 einen ungefärbten, natürlichen Klang ausgeben, der keine Details auslässt. Zusätzlich soll eine patentierte Schwingungsdämpfung dafür sorgen, dass weder Körperschallübertragung noch Resonanzen eine Rolle spielen. In die gleiche Richtung zielt die offene Bauweise des Kopfhörers.

Hohe Material- und Verarbeitungsqualität

Metall und Leder sind die maßgeblichen Materialien beim Quad ERA-1. Mit Ausnahme der Zangen zum Halten der Ohrschalen. Da diese zu den am stärksten beanspruchten mechanischen Teilen des Kopfhörers zählen, wundert es mich, dass der Hersteller ausgerechnet hier auf Plastik setzt. Die Verarbeitung ist hochwertig. Alle Nähte sind fein und sauber ausgeführt. Besonders auffällig ist das am Echtlederüberzug des Kopfbügels zu sehen. Auffällig am ERA-1 ist auch, dass sein wechselbares Kabel einen Spleiß bietet, so dass es an beiden Hörschalen angeschlossen werden kann/muss. Damit entfällt die sonst nötige Kabelführung über den Kopfbügel. Informationen zum Kabel stellt der Hersteller leider nicht bereit. Überhaupt sind Quad sehr sparsam mit der Angabe von Daten, wenn es um die verwendeten Materialien geht. Hier würde ich mir für den aufgerufenen Preis aus Käufersicht mehr Transparenz wünschen.

Die vorinstallierten Ohrpolster sind außen herum aus ultraweichem Leder und auf den Innenseiten mit Velours besetzt. Diese Kombination bietet das Beste aus beiden Welten: Durch die Velours-Innenseiten sind die Ohrpolster atmungsaktiv. Das Leder sorgt andererseits dafür, dass der Schalldurchlass nicht so groß wie bei Vollvelours-Polstern ist. Die beiliegenden Wechselpolster sind dagegen vollständig aus fein genähtem Leder gefertigt.

Traditionelles Handling

Die wechselbaren Ohrpolster werden nicht aufgezogen, sondern gesteckt. Dadurch kann die Position ihres Ovals nicht verrutschen. Die Größenverstellung des Kopfbügels ist gerastert. Dadurch „merkt“ sich der Kopfhörer nach dem Absetzen die zuletzt gewählte Einstellung. Was auf den Fotos nicht zu sehen ist, ist, dass die Haltezangen der Hörmuscheln mit einem Gelenk versehen sind. Dadurch können sich die Hörmuscheln in ihrer vertikalen Ausrichtung optimal an die Kopfform anpassen.

Der Kopfhörer ist mit gerade einmal 420 g für seine Größe relativ leicht. Und auch das mitgelieferte Kabel sorgt nur für gerade einmal 47 g zusätzliches Gewicht. Der Anpressdruck des ERA-1 muss dementsprechend nicht hoch sein. Das Resultat ist, dass der Kopfhörer auch über längere Zeiträume angenehm und ohne jegliches Druckgefühl zu tragen ist. Dazu trägt auch die recht massive Polsterung des Kopfbügels bei.

Die Kabellänge ist mit 2,05 m gut für den Alltagseinsatz geeignet. Echte HiFi-Enthusiasten werden hier aber sicher mit einem deutlich längeren Kabel nachrüsten wollen, um den ERA-1 in ihrem Hörraum genießen zu können.

Unverfälschtes Klangbild

Der Klang des Quad ERA-1 kann mich von der ersten Sekunde an überzeugen. Das Dynamikbild, das der Kopfhörer erzeugt, ist phänomenal. Transienten werden konturiert abgebildet. Und überhaupt ist die subjektive Signalauflösung das große Plus dieser Headphones. Dadurch dass auch kleinste Details (beispielsweise in den ausklingenden Hallfahnen des Audiosignals) von ihm wiedergegeben werden, erzeugt der Quad ERA-1 eine beeindruckende Tiefenstaffelung. Als logische Konsequenz daraus ist auch der vermittelte Stereo-Eindruck sehr gut.

In den Bässen zeigt sich der Kopfhörer von einer druckvollen Seite. Hier macht der ERA-1 allerdings auch klar, dass er nichts als die pure Abbildung im Sinn hat. Wer auf starke Überzeichnung steht, ist bei diesem Puristen fehl am Platze. Auch die Subbässe sind auf eine eher ansprechende als beeindruckende Weise vorhanden. Das auch, weil die Wiedergabe der Quad-Headphones bis 10 Hz hinabreicht. Wenngleich die Subbässe hier nicht zuletzt aufgrund der offenen Bauweise des ERA-1 weniger eindrucksvoll tönen als bei manchem Mitbewerber.

Im Höhenbereich zeichnet er ein äußerst detailliertes Bild. Allerfeinste Sound-Nuancen sind hörbar. Je nach Musikproduktion können aber s-Laute im Bereich um 10 kHz den Hörgenuss durch minimales Zischeln ein wenig trüben. Wer gerne alte Aufnahmen von Jazz-Klassikern hört, darf sich mit dem ERA-1 auf einiges Rauschen gefasst machen, dass ihm in diesen Produktionen sonst nicht derart aufgefallen ist. Auch darüber liegende superhohe Höhen sind reichlich vorhanden, so dass der Klang des ERA-1 insgesamt „offen“ und „luftig“ wirkt. Im Vergleich zu Mitbewerbern, deren Frequenzbereich bis 50 kHz reicht, ist beim ERA-1 allerdings bei (immer noch immensen) 40 kHz Schluss.

Der bei vielen Kopfhörern kritische Mittenbereich wird vom ERA-1 souverän gemeistert. Das differenzierte Klangbild, das er abgibt, steht selbst solchen Rock- und Metal-Produktionen gut zu Gesicht, bei denen Vocals und Gitarren um die Frequenzhoheit ringen. Die Quad-Headphones lassen den Musikhörer auch hier eine Vielzahl von Nuancen wahrnehmen. Dadurch bleibt das Hören auch bei Musikproduktionen mit dicht besiedelten Mitten nicht nur angenehm, sondern stets detailreich.

Auch wenn dieser Kopfhörer in puncto Lautstärke nicht in erster Reihe steht, kann sich seine Performance mit über 94 dBSPL immerhin sehen lassen. Wer allerdings auf ultralauten Klanggenuss steht, stößt beim ERA-1 schnell an dessen Grenzen. Die Folge sind dann deutlich wahrnehmbare Verzerrungen. Das spielt jedoch keine große Rolle, da wohl nur die allerwenigsten HiFi-Enthusiasten ihr feines Gehör per Kopfhörer mit 100 dBSPL oder mehr beschallen.

Die akustische Isolation nach außen, ist – wie bei einem offenen Kopfhörer zu erwarten – kaum vorhanden. Dasselbe gilt selbstverständlich für die Dämpfung von Außengeräuschen. Sie können gerade bei leiser Wiedergabelautstärke zusätzlich zum abgehörten Audiosignal hörbar sein.

Kopfhörer für Klang-Puristen

Das Einsatzgebiet des Quad ERA-1 ist klar: Dieser Kopfhörer ist eine Offenbarung für Freunde von purem Hörgenuss. Dabei spielt es keine Rolle, um welchen Musikstil es geht. Einzig die Wahl der Umgebung sollte entsprechend sein. Denn der zwar ohrumschließende, aber offene Kopfhörer lässt Außengeräusche entsprechend stark durch. Wer aber über einen HiFi-Hörraum verfügt oder ab und an Familien-Freiräume einplanen kann, darf sich mit diesem Kopfhörer genüsslich zurücklehnen und den Details seiner Lieblingsaufnahmen lauschen.

Fazit: Quad ERA-1
von Carsten Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Mit dem ERA-1 schaffen Quad zweifellos und wie zu erwarten den Einstieg in die Welt der hochwertigen Kopfhörer. Ob es sich dabei auch um einen Klassiker handeln wird, werden die kommenden Jahre zeigen. Klar ist zumindest schon jetzt, dass dieser Kopfhörer gemessen an seinem unverfälscht auftrumpfenden Sound, seiner detailreichen klanglichen Abbildung, der hohen Qualität seiner Materialien und Verarbeitung sowie dem exzellenten Tragekomfort ein wirklich gutes Preis/Leistungsverhältnis hat.

Als fein-auflösender offener Kopfhörer eignet er sich am besten für HiFi-Freunde, die einen unverfälschten Hörgenuss mit vielen Sound-Feinheiten erleben möchten. Aufgrund ihrer besonderen klanglichen Eigenschaften kann ich mir diese Headphones aber genauso gut auch als „chirurgisches“ Arbeitsmittel im Tonstudio vorstellen. Vor allem dann, wenn es um hochwertiges Audio-Mastering geht.

Wer heute schon einen Klassiker von morgen hören möchte, sollte den Quad ERA-1 unbedingt testen.

Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
offen
Wandlerprinzip
planar-magnetisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
10 - 40.000 Hz
Impedanz
23,85 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
94,52 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
624,5 g
Gewicht mit Kabel
467 g
Gewicht ohne Kabel
420 g
Kabellänge
205 cm

Lieferumfang

  • Adpater auf 6,35 mm
  • Wechselohrpolster aus Leder
  • Transport-Case

Besonderheiten

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Unabhängig davon, ob das jetzt Quads eigenes Design ist oder nicht, kann auf jeden Fall bestätigen, dass der Klang einfach brillant ist. Hatte die Gelegenheit, ausführlich ziemlich direkt mit dem ja auch sehr hoch angesehenen LCD 2 Classic vergleichen und letzterer machte da keinen Stich.

JustMe
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JustMe

Ich würde sagen „Brainwavz Alara“ mit einem leicht geänderten Design, oder?

vnvjoschi
Gast
vnvjoschi

Ja, was wohl zuerst herauskam, Alara oder Era-1? Ich glaube Alara, es geht also auch andersherum!