Beats by Dr. Dre Beats Flex

Günstige Bluetooth In-Ears mit integrierter Apple-Hardware

Auf „X“ folgen „Flex“: Die Beats Flex lösen Beats günstigstes Modell BeatsX ab und setzen dabei sogar noch einen drauf – denn die Beats Flex gibt es für nicht mal 50 Euro, während der Vorgänger ursprünglich um die 100 Euro teurer war. Haben die Flex das Zeug zum Kassenschlager?

Lieferumfang

In der kleinen, vollständig aus Pappe bestehenden Verpackung finden wir die Kopfhörer selbst, drei Paar Ohrpassstücke aus Silikon in den Größen S, M und L sowie ein Pärchen in Tannenbaumform der Größe M. Zudem ein 20 Zentimeter kurzes USB-C auf USB-C-Ladekabel, eine Kurzanleitung, ein Garantiekärtchen sowie den obligatorischen Beats-Sticker.

Verarbeitung

An der Verarbeitung gibt es auch hier wieder nichts auszusetzen, wobei auffällt, dass die Flex-Vorgänger BeatsX vor allem an den Ohrstöpseln wertiger verarbeitet wirken. Auch bei diesem Modell dürfte das sogenannte Flex-Form-Kabel für meinen Geschmack etwas kürzer ausfallen, mit seinen insgesamt knapp 83 Zentimetern (Ohrstöpsel zu Ohrstöpsel) baumelt mir noch zu viel Kabel neben meinem Gesicht herum. Dennoch macht es einen robusten Eindruck, fiese Knickübungen überstand auch dieses Testmodell klaglos.

Fernbedienung

Die Remote samt Mikrofon an der linken Kabelseite bietet nicht viel: ein Wippschalter um die Lautstärke zu ändern sowie ein kleiner runder Knopf, der sich um die Wiedergabe kümmert. Ein kurzes Drücken pausiert oder setzt die Musik fort, ein Gedrückthalten aktiviert Siri. Drückt man dagegen doppelt, wird der nächste Titel wiedergegeben, ein dreifaches Klicken springt einen Song zurück. Wer gerne innerhalb eines bestimmten Tracks vor- und zurückspulen möchte, hält den jeweils letzten Klick einfach gedrückt.

Pairing mit dem W1 Bluetooth Chip

Auch der Beats Flex setzt auf den von Apple entwickelten Bluetooth Chip W1, der allerdings nicht mehr der Jüngste ist und schon beim Vorgänger sowie bei den Apple AirPods der ersten Generation zum Einsatz kam. Zum alten Eisen gehört der W1-Chip aber noch lange nicht, denn auch hier ist die Kopplung mit einem mobilen Endgerät super schnell und unkompliziert: Die Kopfhörer neben das Smartphone halten, An/Aus-Schalter auf der rechten Seite drücken und halten, Meldung auf dem iPhone/iPad bestätigen und schon geht’s los.

Damit auch Android-User von einer ähnlich komfortablen Einrichtung profitieren, bietet der Hersteller mit der App „Beats“ ein passendes Pendant im Google Play Store an. Egal, ob via App (Android) oder iOS (Bluetooth-Menü) – hier lässt sich die magnetische Ohrhörererkennung aktivieren, die die Musik automatisch startet, wenn die per Magneten aneinanderhaftenden Ohrhörer getrennt werden, bzw. pausiert, wenn die beiden Stöpsel wieder „aneinandergepappt“ werden. Eine weitere Einstellungsmöglichkeit ist das Verhalten der Rufannahme. Hier ist es nun möglich, dass ein Telefongespräch automatisch angenommen wird, wenn die Ohrhörer voneinander getrennt werden.

Aber auch das muss gesagt werden: Der W1-Chip bringt aufgrund seines Alters nicht die Komfortfunktionen mit, die ein H1-Chip von Apple bietet, der in den Kopfhörern AirPods 2nd Gen (zum Test), AirPods Pro (zum Test), Beats Solo Pro (zum Test), Powerbeats Pro (zum Test) und den Powerbeats (zum Test) zu finden ist. So unterstützen die Beats Flex die neue Funktion in iOS 14 nicht, mit der die Kopfhörer automatisch auf ein anderes Gerät umgeschaltet werden, wenn die Wiedergabe darauf gestartet wird. Auch entfällt Spatial Audio und das Herbeirufen der Sprachassistentin via „Hey Siri“. Diese muss, wie oben bereits erwähnt, per Knopfdruck auf der Remote aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden.

Was aber sehr wohl auch hier geht, ist Apples Audiofreigabe, die andere Beats- und Apple- Kopfhörer so synchronisiert, dass mehrere Hörende in den Genuss des gleichen musikalischen Ausgangsmaterials kommen.

Laufzeiten

Der W1-Chip ist für seine Sparsamkeit bekannt. Bei unseren Tests hielt der Kopfhörer bei moderater Lautstärke eine Stunde weniger durch als die angegebenen 12 Stunden, aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der nur rund sieben bis acht Stunden spielte, sind das mehr als ordentliche Werte! Einmal komplett aufgeladen ist der Beats Flex dann in ca. 90 Minuten via USB-C, und dank „Fast-Fuel“ reichen zehn Minuten an einer Steckdose für ungefähr 1,5 Stunden Musik.

Klang

Der erste Höreindruck überrascht, denn die Beats Flex klingen erstaunlich flach und bei gleicher Ausgangslautstärke leiser als beispielsweise die Apple AirPods oder AirPods Pro. Hier vermisse ich Tiefe sowie Weite, und die In-Ears tun sich sichtlich schwer damit, einen dreidimensionalen Raum plastisch abzubilden. Vor allem bei Stücken mit klassischer Bandbesetzung wirkt es so, als ob sich die Instrumentalisten eine verdammt kleine Bühne teilen müssten. Dies zieht sich durch viele Stücke durch, und zeigt, dass die Klangsignatur dieser In-Ears bei auffällig vielen Musikstücken einfach nicht passen will.

Bei modernen, überwiegend elektronischen Genres oder totkomprimierter Chart-Musik klappt das schon besser, aber wer sich Gänsehaut-Momente erhofft, weil er tiefer eintauchen will in komplexe Sound-Welten, ist hier falsch. Meine Lieblings-Tracks klangen selten so lahm und langweilig wie mit den Beats Flex.

Interessanterweise schreibt der Hersteller selbst von exakten Bässen und Präzision über den gesamten Frequenzgang, aber für mein Empfinden bauen diese drei Frequenzabschnitte nicht so harmonisch aufeinander auf, wie Beats uns das verkaufen will.

Der Bassbereich klingt für Beats-Verhältnisse recht nüchtern, verfügt aber natürlich über ein modernes Tuning, so dass vom Subbass bis hin zu Bassdrums alles erhörbar ist, wenn auch nicht sonderlich präzise. Der Mittenbereich wirkt zurückgenommen und hat Mühe sich ordentlich durchzusetzen, somit sumpfen natürlich auch Hallfahnen und andere räumliche Effekte ab, die für ein plastisches und lebendiges Hören so wichtig sind. Den Höhen fehlt es dann entsprechend auch an Glanz und Crispness, der Sound öffnet sich nicht nach oben hin, was dann bei vielen Produktionen so wirkt, als würde man noch Wattepads in den Ohren haben.

Wo die Flex aber gut funktionieren, ist bei allen gesprochenen Inhalten, also bei Podcasts, Hörbüchern, bei Videokonferenzen oder bei Telefonaten. Letzteres schaffen die In-Ears recht gut, unser Gegenüber hatte nie Probleme damit uns zu verstehen, auch bei windigen Verhältnissen.

Pete Schloßnagel
vor 1 Monat von Pete Schloßnagel
  • Bewertung: 3.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Kommen auf wir auf die Ausgangsfrage zurück. Haben die Beats by Dr. Dre Beats Flex das Zeug zum Kassenschlager? Ja, vor allem wenn man bedenkt, dass der Smartphone-Riese Apple künftig seine iPhones ohne Kopfhörer ausliefert, kommen für viele die Beats Flex gerade richtig: Sie reißen kein großes Loch ins Budget und dank W1-Chip sind sie eng und smooth verzahnt mit aktueller Apple Hardware. Und sie funktionieren auch ohne offizielle Angaben über Schweiß- oder Wasserdichtigkeit gut als Alltags-Kopfhörer, die problemlos beim Joggen oder im Gym getragen werden können. Wer mit den Beats Flex allerdings richtig Musik hören, genießen und darin eintauchen will, sollte sich besser nach Alternativen umhören.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Gewicht mit Kabel18,6 g
  • Kabellänge20 cm

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke in S, M, L
  • 1 Paar Tannenbaum-Ohrpassstücke in M
  • USB-C-Ladekabel

Besonderheiten

  • BT-Codecs: SBC, AAC

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