64 Audio Duo

In-Ear-Kopfhörer für gehobene Klangansprüche mit hybrider Treiberbestückung

Der bislang günstigste In-Ear-Monitor von 64 Audio (zur Testübersicht) geht durch seine hybride und teils offene Konstruktion eigene Wege. Die Klangabstimmung folgt dabei durchaus den Idealen des amerikanischen Herstellers, zielt aber etwas weniger auf audiophile Neutralität und Analytik, sondern mehr auf Hörvergnügen ab. Doch keine Sorge: Es handelt sich noch immer um einen Kopfhörer, der jede Menge Details und Monitorqualitäten liefert. Höchsten Klanggenuss darf man in der Preisklasse oberhalb von eintausend Euro eben auch erwarten.

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64 Audio gehört zu den führenden Anbietern im Bereich der In-Ear-Monitore (IEM). Das Unternehmen mit eigener Entwicklung und Fertigung bietet explizit hochwertige Produkte für die professionelle und audiophile Kundschaft an. Das Universal-Fit-Modell Duo ist mit einem Preis von 1.199 Euro das bislang „kleinste“ Produkt des Herstellers. Anders als die U-Serie, die auf multiple Balanced-Armature-Treiber setzt, kommt hier eine Hybridkonstruktion zum Einsatz – eine Technik, die auch in den größeren Modellen Nio und Trio sowie im Flaggschiff Fourté genutzt wird. In diesem Fall wurden ein dynamischer Tiefmitteltöner und ein BA-Treiber für den Hochtonbereich kombiniert. Hinzukommt im Duo auch eine teilweise offene Rückwand, weshalb der dynamische Treiber freier agieren kann. Die Kunst dabei ist, den Bass weiterhin stabil und vollumfänglich zu halten. Man darf also gespannt sein …

Praxis

Der 64 Audio Duo verfolgt ein schnörkelloses Konzept: ein hochwertiger, robuster und ergonomisch geformter In-Ear-Monitor, der mittels zahlreicher Passstücke in unterschiedlichen Größen und Materialien direkt im Ohr platziert wird und dort dauerhaft bequem sitzt. Das wechselbare verdrillte Kabel mit 3,5-mm-Klinkenanschluss wird über das Ohr geführt und sorgt so für den nötigen sicheren Sitz.

Der eleganten Konstruktion sieht man die technische Finesse nicht unbedingt an: Im Duo kommt das hauseigene „tia“-System zum Einsatz, bei dem der BA- und der dynamische 9-mm-Treiber durch eine gezielte Gehäusebohrung auf die typischen klangfärbenden Röhren verzichten können. Mit „Apex Core“ widmet man sich dem Problem der Resonanzen geschlossener Gehäuse. Schall kann in dieser Konstruktion wie erwähnt über ein perforiertes Gitter an der Außenseite entweichen. Entsprechend fällt die Außenisolation mit circa 12 dB auch vergleichsweise gering aus, womit der Duo für den Bühnenbetrieb eher ausscheidet. Es handelt sich gewissermaßen um einen partiell offenen In-Ear-Monitor. Weiterhin kommt die eigene „Wave-Sync“-Technik zum Einsatz, die laut Hersteller im Zusammenspiel mit der Frequenzweiche für ein zeitrichtiges Abstrahlen der Treiber sorgt. Und schließlich fehlt auch „LID“ nicht, das laut Hersteller eine Konsistenz des Kopfhörers unabhängig von der Impedanz der Klangquelle ermöglicht. Entsprechend steht hier explizit das Hörerlebnis im Fokus.

Klang des 64 Audio Duo

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Die Klangbeurteilung erfolgte sowohl mit einem iPhone 8, einem Shanling M3X (zum Test) sowie mit einem RME ADI-2 Pro FS (zum Test) statt.

Der 64 Audio Duo liefert ein detailreiches Klangbild. Er klingt ausgewogen, mit hohem Spaßfaktor und völlig unangestrengt – fett und fein zeichnend. Je nach Mischung klingt es groß, intim und auch mal eher flach. Eine tontechnische Beurteilung ist gut möglich, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau teurer, offener Over-Ear-Konstruktionen.

Im Bass liefert er Kontur, Druck, Dynamik und reproduziert die nötige Tonalität. Den Bassbereich würde ich nicht als völlig neutral, sondern als leicht betont beschreiben. Stören tut dieses Plus an Wumms allerdings nicht. Tiefbass ist durchaus vorhanden, in diesem Fall jedoch ohne eine Betonung – hier gibt sich der IEM vornehm zurückhaltend.

Stimmen wie in „Algorithms“ von Muse oder Whitney Houston in „Exhale“ sind klar, gut verständlich, körperhaft und mit Nähe. Sie werden von den zugehörigen Räumen oder Raumeffekten glaubhaft umhüllt. So kommen die geisterhaften Rückwärtsechos in „Lust“ von Tori Amos herrlich klar zur Geltung.

Apropos Tori Amos: Die rauen Anstriche der Kontrabässe ihrer Schubert-Adaption „Star Whisperer“ erzeugen zumindest bei mir unmittelbar Gänsehaut. Aber auch die anderen klassischen Instrumente vom teils grollenden Bösendorfer-Flügel über die sonstigen Streicher bis zu den Holzbläsern werden schlicht authentisch und beeindruckend im breiten Stereopanorama platziert.

Auch Pop und EDM glänzt im Mittenspektrum durch hohe Detailauflösung. Mustergültig wie so oft „Arthur Spark“ von Yello, das sich beim Hören schlicht als buntes Klangkaleidoskop entpuppt.

Besonders gefällt mir auch die Abteilung Metal. Tendenziell aggressive Produktionen wie Meshuggahs „Bleed“ haben hier glücklicherweise keine blecherne Tendenz. Auch den Gegenpol, das massiv von Mitten geprägte „Repentless“ von Slayer, wird bei der Wiedergabe der vermeintlichen Intention der Mischung gerecht.

In den hohen Frequenzen agiert der Duo erneut mit jeder Menge Details und viel Luft, ohne dabei einen störenden Eigenklang durch den BA-Treiber zu entwickeln. Er ist nicht ultratransparent, sondern erhält stets eine gewisse Wärme im oberen Bereich. Gleichwohl liefert der Hochtöner eine Schnelligkeit, die über Percussions hinaus auch das Timing zwischen gedoppelten Spuren offenbar und für eine sichere Verortung im Stereobild sorgt. Gleichzeitig verbietet sich der Duo störende Härten, zeigt aber eben doch, sobald eine Aufnahme oder Mischung über das Ziel hinausschießt.

Kein Zweifel: Das Modell wird nicht nur Musikliebhaber erfreuen, sondern auch sicher manchen Produzenten in Versuchung führen. Wie eigentlich jedes Produkt von 64 Audio habe ich keine Bedenken, diese In-Ear-Monitore als Ersatz oder, noch sinnvoller, als Ergänzung für Studiomonitore zu empfehlen. Hier spielt der Raum keine Rolle!

Die Qual der Wahl – Duo oder U6t?

Der 64 Audio U6t (zum Test) bietet für 200 Euro Aufpreis eine Lösung, die mit sechs BA-Treibern pro Seite arbeitet. Obwohl im Duo eine hybride Konstruktion mit dynamischen Tiefmittentreiber zum Einsatz kommt, ist die generelle Klangcharakteristik beider Hörer durchaus vergleichbar. Der U6t ist im Bass etwas kontrollierter, aber dafür weniger druckvoll-füllig als im 64 Audio Duo, was in Teilen auch für den Mittenbereich gilt. Ich würde den U6t als neutraler und analytischer abgestimmt bezeichnen und ihm eine noch bessere Detailauflösung und Stereoprojektion bestätigen. Auch bietet dieses Modell die bessere Außenisolation. Hier entscheidet nicht nur der Geschmack, sondern auch die Anwendung.

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Ulf Kaiser
vor 3 Monaten von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4.5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Mit dem Duo bietet 64 Audio einen großartigen In-Ear-Monitor mit partiell offener Schallrückwand, der klanglich großartig, aber weniger analytisch als die U-Serie abgestimmt ist. Ein hochwertiger Kopfhörer, der jede Menge Spaß bereitet und der sich insbesondere an anspruchsvolle HiFi-Liebhaber zuhause wendet.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweiseoffen
  • WandlerprinzipDual Treiber: Dynamisch & Balanced Armature
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Impedanz9 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)@1kHz: 98 dB

Lieferumfang

  • TrueFidelity Schaumstoff-Ohrpassstücke (S/M/L)
  • SpinFit Silikon-Ohrpassstücke (S/M/L)
  • Silikon-Ohrpassstücke (S/M/L)
  • Schwarzes Premium-Kabel
  • Aufkleber

Besonderheiten

  • Crossover: integrierte 2-Wege-Passivweiche
  • Isolation: -12dB durch interne apex-Technologie
  • Anschluss: 2Pin

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