Jabra Elite 4 Active

True Wireless In-Ears mit Noise Cancelling für sportliche Einsätze

Die neuen Jabra Elite 4 Active wollen viel für einen Preis von knapp 120 Euro bieten: IP57-Zertifizierung, aktives Noise Cancelling, Transparenzmodus, guten Sound sowie eine App-Anbindung. Wie gut das funktioniert, klären wir in diesem Test.

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Nachdem Jabra im letzten Jahr neben den beiden Upper-Class-Kopfhörern Jabra Elite 7 Pro (zum Test) und Jabra Elite 7 Active (zum Test) ihr Portfolio auch um ein günstiges Modell Jabra Elite 3 (zum Test) erweitert hat, folgt nun der nächste Kandidat. Die neuen Jabra Elite 4 Active reihen sich nahtlos zwischen Elite 3 und 7 ein.

Eckdaten

Die Jabra Elite 4 Active sind in Schwarz, Blau oder Mint erhältlich. Der Lieferumfang besteht aus den Ohrhörern selbst (je ca. 4,9 Gramm), dem knapp 38 Gramm leichten Lade-Case, drei Paar Silikon-Ohrstöpsel (S, M, L) sowie einem kurzen USB-A auf C-Ladekabel (ca. 15 cm).

Die verbauten 6-mm-Treiber geben Frequenzen von 20 Hz bis 20 kHz wieder und unterstützen Bluetooth 5.2 sowie die Codecs SBC und aptX. Für iOS User keine ideale Lösung, denn weder iPhone noch iPad unterstützen den höherwertigeren aptX-Codec. Hier muss man also mit der qualitativ schlechteren SBC-Variante leben.

Das initiale Pairing geht auch bei diesem Modell schnell vonstatten: Entweder drei Sekunden lang beide Tasten der Ohrstöpsel drücken oder dank Google Fast Pair auf Android Smartphones direkt über ein entsprechendes Pop-up die Funkstrecke herstellen. Multipoint unterstützen die Kopfhörer nicht, wer seinen Zuspieler wechseln möchte, muss dazu die aktuelle Verbindung manuell unterbrechen. Dafür verbinden sich die Kopfhörer automatisch mit der letzten aktiven Quelle.

Im Freifeld hörten wir erste Unterbrechungen der Funkstrecke ab ca. 34 Metern, in einer über 100 qm großen Wohnung erst, als wir uns im Keller auf der gegenüberliegenden Seite des Zuspielers befanden – das sind sehr gute Werte.

Bedienung

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Das hat Jabra gut gelöst: Da der Hersteller bei den Elite 4 Active auf touch-sensitive Flächen verzichtet und stattdessen auf klassische Tasten zum Drücken setzt, bleiben Fehleingaben aus. Allerdings drückt man unweigerlich die kleinen Ohrstöpsel immer etwas ins Ohr. Der Druckpunkt der Buttons hätte ruhig etwas niedriger ausfallen können. Ihre Reaktionsfähigkeit in Verbindung mit einem Pixel 3a könnte dagegen gerne etwas höher sein: Drückt man Play/Pause allzu schnell (< 1,6 Sekunden) hintereinander, führen die Elite 4 Active den zweiten Befehl nicht aus. Interessanterweise tritt dieses Phänomen nicht auf, wenn die In-Ears mit einem iPhone 8 Plus gekoppelt sind. Ein „Makel“, den wir daher nicht den Kopfhörern anlasten möchten.

Durch einmaliges Drücken der Oberfläche des linken In-Ears kann zwischen den Modi „ANC“ und „HearThrough“ (Transparenzmodus) umgeschaltet werden. Wobei mit Jabras Sound+ App dies noch um die Neutralstellung (also „alles aus“) erweitert werden kann. Doch dazu später mehr. Ein zweimaliges Drücken ruft den Sprachassistent auf oder lässt Spotify starten, bzw. passende Songs zum aktuell wiedergebenden Titel abspielen. Die Lautstärke kann links durch Gedrückthalten verringert werden, während Gleiches auf der rechten Seite für eine Lautstärkeanhebung sorgt. Hier navigiert man auch durch die Titel: Einmaliges Drücken startet oder stoppt die Wiedergabe, ein Doppeldruck springt einen Track nach vorne, dreimaliges Drücken einen nach hinten.

Während Telefonaten bieten beide Seiten wiederum (fast) das gleiche Feature Set: Annehmen, auflegen, abweisen, Mikrofon stumm- oder scharfschalten sowie Lautstärke ändern.

Wer die Jabra Elite 4 Active im Monomodus, also einzeln nutzen will, kann dies natürlich tun. Einfach einen Ohrstöpsel im Case parken und ohne Unterbrechung spielt der einzelne In-Ear weiter, es ändern sich lediglich die Steuerungsmöglichkeiten.

Praxis

Dank IP57-Zertifizierung sind die Jabra Elite 4 Active gut geschützt bei Wind und Wetter und sitzen aufgrund der Bauform nahezu plan in den Ohren. Bei unseren Bike- und Laufrunden bei schmuddeligem Winterwetter empfanden wir den Tragekomfort als bequem und trotz des Druckes auch nach Stunden beschwerdefrei. Ein Nachdrücken durch Verrutschen blieb glücklicherweise aus, Schritthall sowie Windgeräusche drangen dagegen – leicht reduziert – an die Ohren. Aufgrund des Sitzes schließen die Ohrhörer dicht ab und bieten daher eine hohe passive Geräuschunterdrückung. Aus Sicherheitsgründen sollte daher immer (!) der HearThrough-Modus aktiviert bleiben, der bei uns in höchster Empfindlichkeitsstufe (siehe unten) bei allen Tests zum Einsatz kam.

Da das Lade-Case keine Zertifizierung aufweist, sollten die Ohrhörer nach einer Reinigung unbedingt gründlich getrocknet werden, bevor sie sich ins Ladebettchen legen.

Akku-Laufzeit

Jabra gibt eine Laufzeit von bis zu sieben Stunden mit einer Ladung an, das Case kann die Kopfhörer bis zu drei Mal vollständig aufladen, so dass wir auf 28 Stunden Gesamtlaufzeit kommen. Praktisch, dass der Hersteller auch an eine Schnellladefunktion gedacht hat: Eine Stunde zusätzliche Akkulaufzeit gibt’s bereits nach zehn Minuten Ladezeit im Case. Entsprechende Multi-Color-LEDs auf den Hörern sowie an der Ladeschatulle informieren über den Ladestatus. Um den Akku zu schonen, schalten sich die Kopfhörer automatisch aus, sobald sie sich für 15 Minuten außerhalb der Reichweite des Zuspielers und nicht im Lade-Case befinden oder wenn sie für 30 Minuten nicht aktiv waren.

Jabra Sound+ App

Jabra legt viel Wert auf eine vernünftige Verzahnung ihrer Produkte: Dazu bietet die modern gestaltete „Sound+ App“ eine Reihe von Tuning-Möglichkeiten.

Die kostenlose App für iOS und Android sollte daher auf keinem Endgerät fehlen, erlaubt sie doch u.a. die Änderung des linken Doppeldrucks zwischen Spotify und Alexa/Sprachassistenz oder das De/Aktivieren der Audio-Wiedergabe während der Nutzung des HearThrough-Modus. Zusätzlich kann das Noise Cancelling in neun Stufen eingestellt, aber auch zwischen sechs EQ-Presets gewählt werden, ein manuelles Verändern und Speichern des 5-Band-EQs ist hier ebenso möglich. Sidetone, also das Hören der eigenen Stimme während eines Telefonats, ist standardmäßig aktiviert und kann hier ebenso ein-/ausgeschaltet werden. Wer seine Kopfhörer verlegt hat, findet via „Find My Jabra“ besagte Stöpsel per Map und Hinweistönen wieder. Die Möglichkeit, Firmware-Updates aufzuspielen, den Akkustand abzulesen oder via Kurzanleitung die Grundfunktionen der Hörer kennenzulernen, runden den Funktionsumfang ab.

Geräuschunterdrückung

Das Noise Cancelling der Jabra Elite 4 Active kann via App, wie oben bereits erwähnt, in neun Stufen frequenzabhängig personalisiert werden. Dazu schiebt man den Regler auf die gewünschte Position, diese wird sodann behalten und ist sofort aktiv. Bei unseren Testbedingungen erzielte das Noise Cancelling auf Stufe 6 ein für uns zufriedenstellendes Ergebnis.

An eine Effektivität, wie sie die Panasonic RZ-S500W (zum Test), Apple AirPods Pro (zum Test) oder Sony WF-1000XM4 (zum Test) bieten, reicht das ANC der Jabra Elite 4 Active freilich nicht heran, tieffrequentes Rumpeln wird dennoch gut unterdrückt, genauso wie mittenlastige Gespräche, wogegen der Hochtonbereich weit weniger abgesenkt wird. Alles in allem eine solide Leistung, wer mehr braucht, muss sich bei den Mitbewerbern umsehen.

HearThrough-Modus

Auch der verbaute Transparenzmodus arbeitet solide. Ähnlich wie das Noise Cancelling bietet Jabras App eine fünfstufige Anpassung der Außengeräuschwahrnehmung. Das Grundrauschen wird dabei aber hörbar angehoben – wobei dies uns nur bei Stille oder sehr leisen Passagen wirklich auffällt. Auch die Jabra Elite 4 Active erreichen hier nicht die Natürlichkeit eines Apple AirPods Pro, künstlich wie bei einigen Mitbewerbern klingt es glücklicherweise nicht.

Klang

Wir starten zunächst wieder im Frequenzkeller: Die Jabra Elite 4 Active schaffen es, tieffrequentes Material wiederzugeben ohne dabei die restlichen Frequenzbereiche zu maskieren. Trotz dieser Anhebung lassen sich Tonalitäten noch zufriedenstellend erfassen, auch wenn uns dabei Ungenauigkeiten auffallen – plakativ erscheint der tiefe Bereich daher nicht. Extreme Tiefbassgewitter fehlt es daher an richtigem Wumms, den man aber per EQ auf die Sprünge helfen kann. Im Gegensatz dazu profitieren Songs, deren Tiefbassanteil weit weniger ausgeprägt ist, durch diese Abstimmung: Diese Fülle steht vor allem Funk- und Dance-Tracks der 70er und 80er gut, sorgt das doch für einen gewissen Hörspaß.

Verzerrungen konnten wir bei hohen Lautstärken nicht feststellen, das hat Jabra gut im Griff. Der Übergang vom oberen Bass zu den unteren Mitten gelingt dem Hersteller gut, in Sachen Trennschärfe dürften die Elite 4 Active für unseren Geschmack aber ruhig noch einen Zahn zulegen. Der Mittenbereich bildet zusammen mit dem Hochton ein gelungenes Gesamtbild, das nicht vorlaut agiert; fies ins Ohr sägende E-Gitarren oder Lead-Synths sind hier Fehlanzeige. Allerdings vermissen wir diese gewisse Luftigkeit und Verspieltheit der Treiber; feine, leise Details in überladenen Musikstücken gehören nicht zu den Stärken dieses Jabra-Modells.

Klanglich erinnern uns die Jabra Elite 4 Active daher stark an die günstigeren Elite 3 aus gleichem Hause.

Für knapp 120 Euro hätten wir uns dann aber doch eine „audiophilere“ Abstimmung der Treiber gewünscht, denn in diesem Preisbereich müssen sie sich mit den sehr guten Panasonic RZ-S500W, den LG TONE Free FN7 (zum Test) oder den etwas teureren Soundcore by Anker Liberty 3 Pro (zum Test) messen lassen, die in Sachen Klang allesamt die Nase vorn haben.

Telefonie

Auch bei den Elite 4 Active verbaut Jabra vier Mikrofone, die für einen kristallklaren Klang mit wenig Hintergrundgeräuschen sorgen sollen. In der Praxis wird das aber nicht immer umgesetzt. Unsere Stimme blieb zwar stets verständlich und natürlich, typische Audio-Artefakte oder Hintergrundgeräusche drangen trotzdem – wenn auch gedämpft – bei unserem Gegenüber durch. Das hängt natürlich vor allem auch von der Netzabdeckung ab: Wer nur Edge hat, muss freilich mit einer schlechteren Sprachübertragung leben, während wir mit 4G oder gar WLAN auch bei Videokonferenzen nichts auszusetzen hatten. Schön gelöst: Beim Telefonieren lässt sich die eigene Stimme dank Sidetone einblenden, was ein viel natürlicheres Reden erlaubt.

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Pete Schloßnagel
vor 9 Monaten von Pete Schloßnagel
  • Bewertung: 3.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Die Jabra Elite 4 Active haben uns während sportlicher Aktivitäten überzeugt wie kaum ein anderes Modell: Die robuste Bauweise samt Zertifizierung sowie der Sitz dieser True Wireless In-Ears bieten keinen Anlass zur Kritik. Das trifft auch auf die Einbindung durch die hauseigene App zu, die modern wirkt und ständig weiterentwickelt wird. Einige Punktabzüge gibt’s für das aktive Noise Cancelling, das ruhig beherzter zupacken könnte sowie den Klang. Dieser dürfte zwar die Meisten während des Work-outs voll zufriedenstellen, bei einem Preis von knapp 120 Euro bieten andere in diesem Preisbereich aber mehr.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Kabellänge15 cm

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke in S, M, L
  • USB-A auf C-Ladekabel
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • in Schwarz, Blau und Mint erhältlich
  • BT-Codecs: SBC, aptX
  • BT-Version: 5.2

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