Google Pixel Buds Pro

True Wireless In-Ears mit Noise Cancelling und Google Features

Google goes Pro: Der Tech-Konzern will mit seinen neuen Google Pixel Buds Pro in der gleichen Liga mitspielen wie Apples AirPods Pro oder Samsungs Galaxy Buds 2 Pro. Dabei rüstet der Suchmaschinenriese seine neuen True Wireless In-Ears mit einer aktiven Geräuschunterdrückung (Noise Cancelling, ANC) sowie Transparenzmodus aus und will mit allerlei Zusatzdiensten ein speziell auf Besitzer von Android-Smartphones zugeschnittenes Erlebnis schaffen. Ob Google das gelingt und ob die Pixel Buds das Kürzel „Pro“ wie „Professional“ zurecht tragen, klären wir in unserem ausführlichen Test.

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Design

Im Vergleich zu den Pixel Buds A Series (zum Test), die 2021 auf den Markt kamen, ist das mattweiße Lade-Case nun minimal größer. Dieses ist IPX2-zertifiziert und somit gegen Tropfwasser geschützt, die Buds selber wurden mit IPX4 eingestuft. Das Case kann problemlos mit einer Hand geöffnet werden. Die wahlweise in vier Farben erhältlichen In-Ears sind gegen versehentliches Herausfallen magnetisch arretiert. Der augenscheinlichste Unterschied zu den Google Pixel Buds A-Series ist er Formfaktor der kleinen Knopfkopfhörer: Die Pro verzichten auf die stabilisierenden Ohrfinnen, gleichzeitig ist ihre Bauform leicht bulliger und erinnern an eine Kreuzung aus Kaubonbons und Bohnen.

Lieferumfang

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Geliefert werden die Google Pixel Buds Pro mit drei unterschiedlichen Ohrpassstücken (S, M, L), dem kabellos ladbaren Case und einem Quick Start Guide. Ein USB-Ladekabel fehlt und kann separat erworben werden. Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich sein, schont aber wertvolle Ressourcen, zumal inzwischen fast jeder ein USB-C-Kabel zu Hause rumliegen haben dürfte.

Tragekomfort

Die Google Pixel Buds sitzen äußerst bequem in den Ohren. Ihre leicht bullige Form schmiegt sich angenehm in die Ohrmuscheln, so dass Mützen ohne ein allzu großes Druckempfinden getragen werden können. So bequem sie auch sind, neigen sie aufgrund ihrer bohnenförmigen Form sowie der glatten Oberflächen zum Verrutschen. Bei Spaziergängen mit dem Hund oder kurzen Sprints musste häufiger sitzkorrigierend eingegriffen werden. Ein weiterer Kritikpunkt: Obwohl Google wie andere Anbieter auch lediglich drei Paar Ohrstöpsel mitliefern, reicht diese Auswahl bei den Pixel Buds Pro nicht aus. Der Passtest per Smartphone zeigt im Test stets an, dass die Kopfhörer nicht richtig sitzen. Andersherum bestätigte der Passformtest bei weiteren Testpersonen immer einen korrekten Sitz, egal, welche Größe gewählt wurde. Wie valide die Ergebnisse dieses Tests in Wirklichkeit sind, lässt sich somit nicht beantworten. Dank der bereits oben erwähnten IPX4-Zertifizierung eignen sich die Pixel Buds Pro prinzipiell für sportliche Aktivitäten, da sie aber recht locker in den Ohren sitzen, sollten Aktivsportler besser zu anderen Modellen greifen.

Bedienung

Dank Touch-Oberflächen können die Google Pixel Buds Pro zuverlässig gesteuert werden, wobei die linken und rechten In-Ears identisch belegt sind. Unterschiedliche Tippgesten steuern dabei die Wiedergabe, Anrufe sowie den Titelwechsel, während ein Gedrückthalten das ANC, den Transparenzmodus sowie den Google Assistant de-/aktiviert. Eine Besonderheit hat Google ihren Buds Pro spendiert: Per Wischgeste kann die Lautstärke geändert werden, allerdings nicht – wie man vermuten würde – von unten nach oben, sondern von vorne nach hinten (und anders herum). Für die Möglichkeit, die Lautstärke direkt an den Hörern ändern zu können, gibt es von uns einen Daumen nach oben, denn die meisten Hersteller implementieren diese äußerst praktische Funktion nicht. Praktisch ist auch die Auto-Pausenfunktion beim Herausnehmen der Ohrhörer, die beim wieder Einsetzen die Wiedergabe fortsetzt. Zudem arbeiten die Pixel Buds Pro auch im Monomodus (Single Mode). Auch die Google Pixel Buds Pro können Klopfgeräusche beim Tippen auf die Touch-Felder nicht unterdrücken.

Wer die Touch-Steuerung ändern möchte, wird enttäuscht: dies geht schlicht nicht. Vor dem Hintergrund, dass Google im Android-Kosmos fast alles zu ändern erlaubt, ein eher ungewöhnlicher Programmpunkt. So kann man bei den Pixel Buds Pro lediglich die Trageerkennung de-/aktivieren, entscheiden, ob alle drei Hörmodi (ANC, Transparenz, beides aus) steuerbar sein sollen und ob der linke, rechte oder beide In-Ear(s) den Google Assistant starten.

Bluetooth

Dank Google Fast Fair geht das Koppeln schnell und komfortabel vonstatten, vorausgesetzt, das eigene Smartphone (Android 6.0 oder höher) bietet dieses Feature. Ansonsten muss der konventionelle Weg gegangen werden, um die Google Pixel Buds Pro per Taste auf der Rückseite des Cases in den Pairing-Modus zu versetzen. Beides klappte in unseren Tests mit Pixel- und Apple-Smartphones ohne Probleme.

Leider setzt Google (wie auch Apple bei seinen AirPods [zur Testübersicht]) auf eher konservative Bluetooth Codecs: Mit SBC und AAC sowie dem älteren Bluetooth 5.0 verschenkt man hier Potenzial: Qualcomms aptX-Familie wäre hier dankbarer, denn ohne latenzarmen Codec kann es zu einer merkbaren Verzögerung zwischen Bild und Ton kommen. Zudem arbeitet AAC nicht auf allen Android Devices gleich hochwertig.

Dafür unterstützen die In-Ears Multipoint, also die gleichzeitige Verbindung zweier Geräte.

Akkulaufzeit

Branchenführend ist die Laufzeit dieser True Wireless In-Ears nicht, aber mit bis zu elf Stunden Wiedergabe ohne, bzw. sieben Stunden mit ANC landen die Pixel Buds Pro im Mittelfeld. Ein dennoch guter Wert. Wer es ausdauernder benötigt, sollte einen Blick auf die Audio-Technica ATH-CKS50TW (zum Test) oder Creative Outlier Pro (zum Test) werfen, die mit Laufzeiten von 20 bzw. 18 Stunden auftrumpfen.

Das über USB-C oder kabellos aufladbare Case (Qi-zertifiziert) kann weitere 20 Stunden liefern, während ein fünfminütiges Schnellladen bis zu 60 Minuten Spielzeit bereitstellt.

Pixel Buds App

Wer kein Pixel-Smartphone sein Eigen nennt, kann eine spezielle App aus dem Google Play Store herunterladen. Als Besitzer eines Pixel Smartphones ist diese Anwendung bereits in den Systemeinstellungen integriert. Die App bietet – wie oben bereits erwähnt – relativ wenig Konfigurationsmöglichkeiten: Firmware Updates aufspielen, den Sitz der Ohrpassstücke kontrollieren, Multipoint schalten oder die Touchbedienung de/aktivieren. Aber hier lässt sich natürlich auch der Google Assistant einrichten oder die Findenfunktion nutzen, falls die Kopfhörer verlegt wurden.

Neu ist der Menüpunkt „Lautstärke-EQ“. Dieser optimiert die Bässe und Höhen bei niedriger Lautstärke, sodass diese Frequenzbereiche nicht wie üblich „absumpfen“. Das funktioniert in der Praxis sehr gut, und auch bei niedriger Lautstärke wirkt das Gesamtbild ähnlich druckvoll, wie bei normalem Wiedergabevolumen.

Google Pixel Buds Pro und Apple

Wessen Fuhrpark rein aus Apple Devices besteht, muss auf eine App verzichten und kann weder Firmware Updates einspielen noch Einstellungen vornehmen. Man muss also mit den Standards leben, und die praktische Google-Übersetzungsfunktion in Echtzeit funktioniert hier nur, indem man die entsprechende App aus dem iOS Store installiert. Wobei diese nicht zwingend Kopfhörer von Google voraussetzt.

Dank Multipoint ist es aber dennoch sehr wohl möglich, über iOS Musik zu hören, während über Android verwaltet, konfiguriert und geschaltet werden kann.

Als Apple-User gibt es aber bessere Alternativen, und wer seine Kopfhörer gerne ähnlich tief verwurzelt mit dem Betriebssystem nutzen möchte, sollte sich die hauseigenen Apple- sowie Beats-Kopfhörer (zur Testübersicht) in die Ohren stecken.

Noise Cancelling und Transparenzmodus

Während bei den Pixel Buds A-Series (zum Test) nur eine Adaptive Sound-Funktion werkelt, die den Sound an unterschiedliche Umgebungen anpasst, verfügen die neuen Pro über eine aktive Geräuschunterdrückung. Anstatt also die Lautstärke automatisch anzupassen, um Umgebungsgeräusche zu unterdrücken, erkennt das ANC der Pixel Buds Pro diese und unterdrückt sie. Zum Glück verpasst Google seinem Noise-Cancelling-Debüt kleine Belüftungsöffnungen. Somit fällt der unangenehme Taucherglockeneffekt samt Druck im Ohr weg. Was dagegen bei aktiviertem ANC nicht „wegfällt“ sind die Außengeräusche: Hier arbeitet das Noise Cancelling nicht so intensiv wie das der Apple AirPods Pro (zum Test) oder der Sony WF-1000XM4 (zum Test). Tiefe Frequenzen werden entsprechend reduziert, während mittlere und hohe Signalanteile nur leicht gedämpft werden.

Ein Grundrauschen ist deutlich zu hören, verliert aber an Kraft, sobald Medieninhalte abgespielt werden. Das gilt auch für den Transparenzmodus, der leider etwas muffig klingt und Natürlichkeit vermissen lässt.

Klang

Google hat in seinen Pixel Buds Pro elf Millimeter große dynamische Treiber verbaut, über ihren Frequenzgang schweigt sich der Hersteller aber aus. Bei unseren Testtracks, die viele Genres abdecken, gibt es leider einiges zu meckern, denn die Abstimmung ist etwas „verbogen“. Die Bässe klingen überhöht, was bei modernen Stilen ja durchaus erwünscht ist. Somit „dicken“ die Google Pixel Buds Pro Musikstücke untenrum ordentlich an: Tonalitäten bleiben zwar erfassbar, bestimmte Bass Drums oder -Instrumente neigen bei gehobener Lautstärke aber zum Wummern.

Die unteren Mitten wirken im Gegensatz dazu zurückgenommen. Das führt dazu, dass Rhythmusgitarren, Synthesizer aber auch tiefere Stimmen vor allem in dichten Arrangements untergeordnet erscheinen und ihre Plakativität verloren geht.

Das liegt auch den Höhen, die zwar ebenfalls angehoben sind, in der Brillanz wiederum abfallen. Das kann dazu führen, dass bestimmte Zischlaute als schneidend (Grace Jones „Slave To The Rhythm“) und Hi-Hats, Crash-Becken oder andere Schlaginstrumente als zu laut wahrgenommen werden.

In Sachen Stereobreite- und tiefe stechen die Google Pixel Buds Pro nicht heraus. Die virtuelle Bühne im Kopf steht eng, gleichwohl lassen sich bewegende Schallereignisse klar nachverfolgen.

In Sachen Sound-Features sind die Google Pixel Buds Pro zudem noch unvollständig: So fehlten zum Zeitpunkt dieses Tests drei Funktionen, die laut Hersteller diesen Herbst nachgereicht werden sollen. Das von Apples Kopfhörern bekannte Spatial Audio mit Head Tracking soll auch hier kommen, wobei davon auszugehen ist, dass dies auf iOS Devices nicht funktionieren wird. Zudem will Google noch einen Fünf-Band-Equalizer sowie eine Lautstärkebalance nachreichen, die das Verhältnis des linken und rechten Kanals verändert sowie beide Kopfhörer auf Mono schaltet.

Telefonieren

Pro Seite verbaut Google drei Mikrofone, damit die Stimme klar und deutlich übertragen wird. Unter ruhigen Home-Office-Bedingungen können wir das bestätigen und auch während Video-Konferenzen machen die Buddies eine gute Figur. Sobald es nach draußen geht, ändert sich das Bild. Mit starken Windgeräuschen haben diese Kopfhörer Probleme, die eigene Stimme klingt beschnitten und verstümmelt. Hintergrundgeräusche treten nicht sonderlich hervor, das Gegenüber kann sie aber trotzdem hören, während die eigene Stimme hörbar bleibt.

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Pete Schloßnagel
vor 1 Woche von Pete Schloßnagel
  • Bewertung: 3.88
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Die Google Pixel Buds Pro hinterlassen einen gemischten Eindruck. Bei einem Preis von knapp 220 Euro fehlen uns einfach zu viele Dinge, die uns eine absolute Empfehlung aussprechen lassen würden: Die mangelnden Konfigurationsmöglichkeiten via App, der ungenaue Passtest der Ohreinsätze und das Fehlen von hochwertigen und latenzarmen Bluetooth-Codecs, samt neuerer, stromsparender Bluetooth-Version. Auch wenn das Fehlen eines Equalizers oder die Spatial-Audio-Funktionalität demnächst noch nachgereicht wird – andere Hersteller bieten für weniger Geld mehr oder eben für etwas mehr Kohle auch mehr Features.

Als Google-Fan oder Heavy User von Google-Diensten (Assistant, Translate) mögen die Google Pixel Buds Pro dann wiederum genau die richtigen Produktivitäts-Tools sein, um den Alltag meistern zu können.

Momentan steht das „Pro“ im Namen in unseren Augen/Ohren daher noch nicht für „Professional“. Aber wer weiß: Sobald Google die fehlenden Funktionen per Firmware Update nachreicht, werden wir den Test entsprechend wiederholen – vielleicht gibt es dann eine Empfehlung von uns.

  • Tragekomfort
  • Lade-Case mit IPX2-Zertifizierung
  • Noise Cancelling
  • Nur SBC und AAC
  • Bluetooth 5.0
  • wenig Konfigurationsmöglichkeiten

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Gewicht ohne Kabelje 6,2 g, Case 50 g

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke (S, M, L)
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • in Dunkelgrau, Hellgrau, Orange und Grün/Gelb erhältlich
  • BT-Codecs: SBC, AAC
  • BT-Version: 5.0

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